Achtung Wahlbomben! Und nichts mit Wahlsonntag?!

Was den deutschen der Bundestag in Berlin, ist den Dänen Christiansborg in Kopenhagen.
Was den Deutschen der Bundestag in Berlin, ist den Dänen Christiansborg in Kopenhagen.

Heute ist Folketingswahl. Tatsächlich HEUTE an einem Donnerstag geht ganz Dänemark eine neue Volksvertretung wählen. Was in Deutschland traditionell immer an einem Sonntag gemacht wird, wird hier einfach mal so dazwischen geschoben. Noch erstaunlicher ist aber die Art und Weise, wie dieser Termin zu Stande kam.

folketingsvalg-2015Vor ein paar Wochen hörte ich im Radio etwas von Wahlbomben und dass Helle Thorning-Schmidt, die Staatsministerin Dänemarks nun wohl bald die Wahl ausrufe. Nanu, dachte ich, was meinen die bloß mit Wahlbomben und warum muss die Wahl erst ausgerufen werden. Steht denn der Wahltermin nicht sowieso schon fest? In Deutschland kann man zu jeder Zeit herausfinden, wann die nächste Bundestagswahl stattfindet. Das Datum steht schon lange im Voraus fest. In Dänemark ist das anders, und das kann für die Amtsinhaber durchaus von Vorteil sein. Und damit wären wir wieder bei besagten Wahlbomben. Der oder die Staatsminister/in legen nämlich den Termin der Wahl etwa 6 Wochen vorher fest. Natürlich muss der Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraumes liegen, um zu kurze oder zu lange Amtszeiten zu vermeiden, darüber hinaus steht aber nichts fest. Und was sind nun die ominösen Wahlbomben? Naja, kurz bevor die Wahl ausgerufen wird, macht sich der oder die Amtsinhaber/in nochmal ein bisschen beliebt, indem sie Wahlbomben platzen lässt. Werden also in kurzer Zeit viele Wahlversprechen eingelöst oder „beliebte“ Entscheidungen getroffen, kann davon ausgegangen werden, dass die Wahl bald ausgerufen wird. Natürlich ruft der Amtsinhaber die Wahl dann aus, wenn seine Umfragewerte gerade besonders hoch sind. Ganz schön clever die dänischen Politiker, oder?

Nun ja, das sei mal dahingestellt, denn natürlich durchschauen die Dänen ihre Politiker genauso wie die Deutschen die ihren. Kurios ist diese Eigenart des politischen Dänemark auf jeden Fall, ob sie nun wirklich den großen Vorteil für die Amtsinhaberin bringt, werden wir spätestens morgen früh erfahren.

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Wann ist man eigentlich wirklich angekommen?

DannebrogMehr als 3 Jahre Dänemark liegen jetzt bereits hinter mir. Und so langsam stelle ich mir die Frage, wann man eigentlich wirklich angekommen ist in der neuen Heimat? Ich denke, an der Zeit kann man es nicht festmachen. Es gibt Menschen, die leben und arbeiten schon sehr lange in einem fremden Land, sind aber nie wirklich dort angekommen, fühlen sich nie wirklich zu Hause.

Vielleicht ist man angekommen, wenn der momentane Lieblingsohrwurm (Wer sich im dänischen Radio auskennt, merkt jetzt, dass ich diesen Artikel vor einiger Zeit angefangen hab) so geht:

Jeg har tjent en million
Og grædt en tåre for hver en krone
Jeg har fået mit drømmejob
Nu drømmer jeg om at sige op
For baby, mandag, tirsdag, onsdag, torsdag, fredag, lørdag, søndag
Sidder jeg alene
Og mangler det man ikk‘ kan købe for penge
Dit hjerte, Dit hjerte

Und so klingt  🙂

Vielleicht ist man angekommen, wenn man besagten Song laut mitsingen (und verstehen) kann?

Vielleicht ist man angekommen, wenn man beim Buchtitel Liselotte bleibt wach, Liesse-lodde liest, statt Li-se-lot-te.

2014-07-12 15.19.42Vielleicht ist man angekommen, wenn man auf der Landstraße immer 80 km/h fährt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn zu einem richtig gemütlichen Abend nicht Chips und Tee gehören, sondern Bland-selv-slik und Sodavand.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man von einem Sandwich erwartet, dass durch all den Belag vom Brot nichts mehr zu sehen ist und man sich mit einem lächerlichen Salatblatt, einer Scheibe Gurke und Tomate nicht mehr zufrieden gibt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man Euro und Kronen nicht mehr umrechnet, sondern einfach weiß, das 1000 Kronen eine Menge Geld sind und 1000 € noch viel mehr.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man mehr Telefonnummern im Handy hat, die mit +45 beginnen als mit +49.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man gerne jeden zweiten Satz mit „So“ anfangen möchte, da das dänische „Så“ so herrlich unkompliziert ist.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man als Verabschiedung Tschüß, tschüß sagt, weil es ja auch hej hej heißt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einem das Wort Selter nicht mehr einfallen will und man stattdessen „dänisches Wasser“ denkt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man „Moin, moin“ für einen Abschiedsgruß hält.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einem Dänemark so gar nicht mehr außergewöhnlich scheint und einem für diesen Blog deshalb die Ideen ausgehen.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einen erneut das Fernweh packt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn sich beim Überfahren der Grenze nach Dänemark ein wohlig-heimeliges Gefühl einstellt.

2015-01-30 19.01.45Vielleicht ist man angekommen, wenn einem das Fremde nicht mehr fremd erscheint und das altbekannte langsam immer fremder wird.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man stolz ist, wenn man die dänische Fahne tragen darf.

Ob richtig angekommen oder nicht, mein Herz habe ich auf jeden Fall an Dänemark verloren, meiner mittlerweile dritten Heimat.  Hier fühle ich mich wohl, hier bin ich zu Hause.

Fredagsslik und onsdagskage

2014-07-12 15.19.42Die Dänen lieben Süßes. Und weil das so ist, haben sie sich etwas Schlaues einfallen lassen. In vielen Familien wurde es zu einer wahren Tradition. Einmal in der Woche durfte bei den Süßigkeiten richtig zugeschlagen werden. Das bekam dann natürlich auch einen Namen. Je nach gewähltem Wochentag wurde die Tradition zu fredagsslik oder vielleicht lørdagsslik? Meist lag dieser Tag am Wochenende und die Süßigkeitenorgie wurde als wahres Fest begangen. Die Familie versammelte sich im Wohnzimmer zum Beispiel um eine bestimmte Sendung im Fernsehen anzusehen und die süßen Köstlichkeiten durften mit ebenso zuckersüßer Brause runtergespühlt werden. Aber wieso schreibe ich von dieser herrlich dänischen Tradition in der Vergangenheit? Nun ja, zugegeben fredagsslik gibt es immer noch. Nur hat sich fredagsslik mittlerweile auf die ganze Woche ausgeweitet. Die Kollegin bringt jede Woche einen onsdagskage mit zur Arbeit, Montags ist beim Einen mandagslakrids angesagt, Dienstags vielleicht tirsdagswienerbrød beim Anderen? Und wer sagt überhaupt, dass man zum Süßigkeiten essen einen eigenen Wochentag braucht? Man könnte ja auch gleich die ganze Woche in Schokoladenwoche umtaufen, oder?

2014-07-12 15.19.32Nicht umsonst gehört Dänemark zu den Ländern in der Welt mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Süßigkeiten. Der Versuch der dänischen Regierung den Zuckerverbrauch im Lande durch eine Zuckersteuer zu mindern, ist kläglich gescheitert und auch die Medien können ihren Aufschrei nicht laut genug formulieren. Als Neu-Dänemark-Bewohner lässt man sich vom allgemeinen Zuckerrausch nur allzu gerne mitreißen und zelebriert nun ebenfalls fredagsslik und onsdagskage. Dem Angebot in den Supermärkten und erst recht beim Bäcker nebenan kann man sowieso kaum widerstehen. Wieso also nicht nach dem Motto leben: When in Denmark, do as the Danes do? Ach und all das herrliche Marzipan und das Lakritz und natürlich die Schokolade…

Doch dann klopft Frau deutsches Gewissen wieder bei mir an und ich besinne mich eines besseren und beschränke mich doch wieder auf lørdagsslik. Nur lørdags. Jeden Samstag 😉

Die Dänen und ihr Dannebrog

Es ist mal wieder so weit: Es gibt etwas zu feiern! Und zwar den 100. Geburtstag des Möbeldesigners Hans Wegner aus Tondern. Hurra, hurra, hurra, wie man nicht nur in Schweden sagt. Und was darf bei einem ordentlichen dänischen (Geburtstags-)Fest natürlich nicht fehlen? Der Dannebrog! Der was? Die ganze Stadt trägt ihn stolz zur Schau, mit ihm werden Straßen geschmückt und Schaufenster dekoriert und am großen Tag darf er in voller Pracht im Wind wehen. Habt ihr’s schon erraten? Oder gar gewusst?

Festlich geschmückt :)
Festlich geschmückt 🙂

Dannebrog – so  heißt die dänische Flagge. Das weiße Kreuz auf rotem Grund darf bei keinem Geburtstag fehlen, nicht bei Dronning Margrethe und auch nicht bei Niels, Søren, Karen oder Ida. Stecken vor einem Haus kleine Fähnchen an der Tür oder im Garten, ist dies ein sicheres Zeichen für ein fröhliches Familienfest. Auch an Weihnachten ist der Dannebrog beliebter Schmuck für Baum und Haus. Aber warum sind die Dänen eigentlich so „vildt“ mit ihrem Dannebrog?

Dannebrog
Dannebrog

Die Fahne hat in Dänemark eine ganz besondere Bedeutung. Als Nicht-Däne hat man es ein bisschen schwer, ganz hinter den Gebrauch des Banners zu steigen, denn nicht immer darf die eigentliche Fahne gehisst werden. Meist sieht man statt der großen Fahne nur kleine dreieckige Wimpel. Wie passt das zusammen? Ein Volk, das so verliebt in seine Nationalfarben ist, dass sie bei keinem Fest fehlen darf und dann nur diese mickrigen Wimpel? Und ist euch schon mal aufgefallen, dass fast ausnahmslos dänische Fahnen im Wind flattern? In Deutschland findet man hier und dort alle möglichen Fahnen in Gärten, Fenstern, Balkonen oder an Autos (okay, das vielleicht nur zur Fußball-Weltmeisterschaft, aber ihr versteht das Bild). Aber in Dänemark: kein Schwarz-Rot-Gold, kein Stars & Stripes, kein Schweizerkreuz… Um zu verstehen, warum den Dänen ihre Fahne sozusagen „heilig“ ist, muss man einen Blick in die Entstehungsgeschichte des Banners werfen. Und die geht so….

Die Truppen von König Waldemar II lagen in der Schlacht von Lyndanisse gegen die heidnischen Esten hoffnungslos zurück. Der Krieg schien so gut wie verloren als am 15. Juni 1219 eine große rot-weiße Fahne vom Himmel fiel und sie Esten in die Flucht schlug. 

Die Grenze
Grenzübergang – hier beginnt Skandinavien 🙂

So viel zur Legende. Der Dannebrog, gottgegeben sozusagen. Und ebenso wird er auch meist behandelt. Als etwas Besonderes, dessen Gebrauch ebenfalls etwas Besonderes sein sollte. Die große Fahne weht nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, während der kleine Wimpel nur markiert „hier wohnt jemand“ und auch über Nacht am Mast hängt. Übrigens ist der Wimpel in der Regel genau halb so lang wie der dazugehörige Fahnenmast.

Typisch dänisch <3
Typisch dänisch ❤

Es ist nicht erlaubt jede beliebige Fahne zu hissen: Skandinavische Länder sind erlaubt, meist zusammen mit dem Dannebrog, der dann oft größer ist und/oder höher hängt. Der Sternenkranz der EU ist erlaubt, mir aber noch nie begegnet. Die deutsche Minderheit in Nordschleswig hat eine Sondergenehmigung beantragt, um ganzjährig Schwarz-Rot-Gold flaggen zu dürfen.

Nach diesem ganzen Insiderwissen, freue ich mich beim nächsten Fest gleich doppelt, wenn ein Jeder die rot-weiße Fahne zückt, denn dann weiß ich, das hier ist etwas Besonderes 🙂

Prioritäten und so

Mal wieder eine Episode aus „Dänemark, das Fahrradland“. In Deutschland würde sich kaum jemand bei Schnee und Eis mit dem Fahrrad vor die Tür trauen. Viel zu gefährlich, heißt es da. Die Dänen sehen das anders. Vielleicht aber auch, weil ihnen andere Möglichkeiten gegeben sind? Ein Beispiel:

2014-01-27 12.36.33So sieht es in Tondern aus, wenn es geschneit hat. Na, fällt euch was auf?

Gehweg geräumt? Nö.

Straße geräumt? Na ja.

Radweg geräumt? Aber hallo!

Es scheint, als würden hierzulande andere Prioritäten bei der Räumung von öffentlichen Wegen gesetzt. Im Land der Fahrradfahrer und Christianiaräder ist ein freier Radweg unablässig, eine absolute Notwendigkeit. Kein Däne lässt sich von dem bisschen Schnee abhalten seinen Drahtesel zu besteigen. Und um Unfälle auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder in den Kindergarten zu vermeiden sind geräumte Radwege Gold wert. Der Aufwand rechnet sich schnell, bedenkt man all das gesparte Geld für ärztliche Behandlungen wie gebrochene Arme, Beine oder Schlimmeres. Was in Deutschland völlig sinnlos erscheint, da sich eh keiner mit dem Rad raus traut, hat in Dänemark oberste Priorität. Unmengen von Salz werden großzügig verteilt, denn wie man weiß gibt es in Dänemark auch eine dem Radfahrwahn entsprechende Menge an Radwegen, die es freizuschaufeln gilt. Und so gibt es für Radfahrer in diesem wunderschönen Land im Winter nur eine Gefahr: der aufspritzende Matsch, den die Autos von der Straße in Richtung Radweg befördern.

Gute Fahrt!

Nur in Dänemark

Es gibt einige Dinge, die gibt es eben nur in Dänemark und es sind diese Dinge, die das Land und seine Menschen so liebenswert machen.

Folgende Situation ist mir gestern (mal wieder) passiert: Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs und unentwegt tröpfelt mir Regen ins Gesicht. Da kommt mir doch tatsächlich bei diesem Wetter ein anderer Radfahrer, besser eine Radfahrerin entgegen! Schon allein das ist ja unglaublich für eine Deutsche wie mich. In meinem Heimatland erntet man als Radfahrer im Regen höchstens mitleidige Blicke der vorbeirauschenden Autofahrer oder aber, sollte man doch ausnahmsweise mal einen anderen Radfahrer treffen einen grimmigen Schietwetter-Blick, hier jedoch passiert das: Die Radfahrerin sieht mich und schon erscheint ihr strahlendstes Lächeln im Gesicht, die Augen funklen fröhlich und sie schaut mir direkt ins Gesicht. Natürlich erwartet sie von mir die gleiche Reaktion, doch meistens bin ich einfach so überrascht von dieser unermüdlichen Fröhlichkeit, dass ich wahrscheinlich nur verdutzt zurück starre. Und dann kommt die Erkenntnis: Deshalb liebe ich Dänemark, denn so etwas passiert einem wirklich nur hier (oder allerhöchstens noch in Holland).

Und nach der Erkenntnis verbessert sich meine Laune dann auch schlagartig, denn siese Dänen haben mir mal wieder bewiesen, dass schlechtes Wetter kein Grund für schlechte Laune sein muss, auch nicht auf dem Fahrrad.

Von Schlössern, Türen und ihren Griffen

Endlich zu Hause. Nach einem langen Arbeitstag komme ich schwer bepackt bei meiner Wohnung an. Habe grade den Einkauf absolviert und nun Tüten und Taschen in allen Händen. Gerade so schaffe ich es noch meinen Schlüssel aus der Handtasche zu fummeln und am Schlüsselbund den Richtigen für die Haustür zu finden. Jetzt nur noch ins Schloss stecken, drehen und… Ach ja, da war ja was. Etwas woran ich mich in Dänemark wohl nie richtig gewöhnen werde. Man muss nämlich zum Öffnen vieler Türen gleichzeitig den Schlüssel drehen und den Türgriff drücken, damit sich die Tür öffnen lässt. Und da steht man dann mit seinen Tüten und Taschen. Also heißt es, alle Taschen abgestellt und mit beiden Händen die Tür geöffnet. Dann einen Fuß in die Tür stellen, damit diese nicht wieder zufällt, sich umdrehen und alle Taschen wieder zusammensammeln. Jetzt noch durch die Tür drängeln, diese fällt hinter mir ins Schloss. Geschafft. Doch im schlimmsten Fall kommt es so: Mein Schlüssel hängt noch draußen am Schloss. 2013-04-03 08.45.34Und, auch von innen braucht man wieder beide Hände zum öffnen der Tür, denn hier muss man statt des Schlüssels einen kleinen Knauf drehen, während man die Türklinke nach unten drückt. Also stelle ich alle meine Taschen wieder ab, um meinen Schlüssel aus seiner misslichen Lage zu befreien. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Aber nicht nur das Öffnen von Türen, auch das verschließen, kann in Dänemark so seine Tücken haben. So zum Beispiel in der Bücherei. An meinem ersten Abend, an dem ich alleine die Bücherei geschlossen habe, passierte eine Szene, die in etwa so ausgesehen haben muss: Ich habe den Computer ausgeschaltet und dies auch nochmals überprüft, die Rollos runtergezogen und das Licht bereits ausgeschaltet. Die Innentür der Bücherei hat zum Verschließen seitlich einen kleinen Hebel, den habe ich umgelegt, damit die Tür verschlossen ist, sobald ich sie ins Schloss ziehe. Das hatte man mir ja vorher so gezeigt. Diese Tür macht also schon mal trotz ihrer Eigenheiten keine Probleme. Nun noch die Haustür. Ich schließe ab. Drehe den Schlüssel so lange rum, bis es nicht mehr geht. Drücke den Türgriff zur Kontrolle noch einmal runter und… öffne somit die Tür?! Verwunderung. Was hab ich denn falsch gemacht? Ein zweiter Versuch. Ich drehe den Schlüssel in die eine Richtung und in die andere. Versuche wieder und wieder aber die Tür öffnet sich jedes Mal. Nach einigen ratlosen Augenblicken fällt mein Blick auf die Längsseite des Türrahmens, wo sich folgender Hinweis findet.

2013-02-19 13.57.55Im Ernst?? Türgriff nach oben drücken und gleichzeitig Schlüssel umdrehen? Wieder drängt sich die Frage förmlich auf: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Nach über einem Jahr hat man sich natürlich schon in gewissem Maße an die eigenwilligen dänischen Türen gewöhnt. Doch trotz dieser hochkomplizierten Schließ- und Öffnungstechnik häufen sich zumindest hier im südlichen Teil Dänemarks die Einbrüche ohne Ende. Täglich gibt es Berichte von neuen Einbrüchen, ganzen Straßenzügen, in denen in jedes zweite Haus eingebrochen wurde. Wozu dienen also diese merkwürdigen Türschlösser, wenn sie dennoch scheinbar so leicht zu knacken sind? Oder sind dänische Diebe einfach auf Einbruch spezialisiert, während deutsche Diebe eher der Kategorie Trickbetrüger angehören und sich nicht so gern die Finger schmutzig machen? Ich wage es zu bezweifeln und beim Blick auf meine Haustür und ihr klapperiges Schloss, kann ich mir die Erklärung beinahe schon selbst liefern. Aber das tue ich lieber nicht und hoffe einfach darauf, dass der Dieb, der sich an meiner Tür zu schaffen machen will, gerade vom Einkaufen kommt und beide Hände voll hat.