Karottenkönig und saure Zwiebel

Hier ist ein weiteres Sprachplakat von Københavns Sprogcenter! 🙂 Einige wunderbare Redewendungen, die alle Gemüse enthalten. Außer der glücklichen Kartoffel, zu Deutsch GlücksPILZ, kannte ich auch noch keinen der Ausdrücke. Aber wer, weiß vielleicht spiele ich auch bald den Karottenkönig und gebe mal so richtig mit meinen neugewonnenen Sprachkünsten an 😉

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Nå…

Heute möchte ich einen Internetfund mit euch teilen. Die Grafik stammt von Københavns Sprogcenter.

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Wie man fließend Dänisch spricht mit nur einem Wort! Das Wort „Nå“ hat je nach Betonung und eventueller Kombination mit anderen kleinen Worten viele verschiedene Bedeutungen. Es kann sowohl Überraschung als auch Skepsis ausdrücken. Mit Nå kann man jemanden auffordern weiterzusprechen oder ganz im Gegenteil auch deutliches Desinteresse ausdrücken. Man kann zustimmen, Begeisterung zeigen und sogar (freundschaftlich) drohen. Man kann es nutzen, wenn einem ein Licht aufgeht oder man ungeduldig ist. Nå da! Wer hätte das gedacht!

 

UnbenanntSå er der fest! Så er der sommer! Så skal der laves hø! Så går turen til Tyskland! Så så, sådan er det bare. Das kleine Wörtchen „så“. Es gehört zu Dänemark wie smørrebrød und dannebrog. Und es ermöglicht einem eine ganz harmlose und unkomplizierte Weise, ein Gespräch zu beginnen oder einen Plan zu unterbreiten. Doch es kann noch mehr! Eine eigentlich unangenehme Sache, klingt durch ein kleines så am Satzanfang plötzlich gar nicht mehr so schlecht. Ein Beispiel? Så skal der ryddes op. So jetzt soll aufgeräumt werden. Ich weiß, das klingt auf Deutsch ziemlich komisch aber auf Dänisch ist es so charmant, dass keiner dieser Aufforderung nicht sofort folgen möchte. Jedenfalls beinahe. Så skal vi flytte til København. So sollen wir nach Kopehagen umziehen. Bringt man so seinen Lieblingsnachbarn das baldige Ende der freundschaftlichen Nachbarschaftsbande bei, kann er eigentlich nicht traurig darüber sein, denn das så impleziert schon fast die Vorfreude der Umzügler. Mit så kann man sich aus so mancher Also-ich-weiß-nicht-wie-ich-es-sagen-soll-Situation retten. Så er der slut. Jetzt ist es vorbei, aber bald beginnt etwas Neues. Ob es also am Wörtchen så liegt, dass die Dänen als eines der glücklichsten Völker der Erde gelten? Ich weiß es nicht, aber helfen tut es bestimmt. Vielleicht mag ich es auch deshalb so gerne, weil das Wort „so“ im Englischen ganz ähnlich verwendet wird. Ein Eisbrecher. Eine simple Einleitung. Der Anfang eines guten Gesprächs oder eines unverfänglichen Small Talks oder eben genau so einfach dessen Ende. Så…

Wortwörtlich

Ich mag die dänische Sprache. Ich mag sie sehr. Hier kommt eine Sammlung einiger Wörter, die wortwörtlich übersetzt den Charme dieser Sprache aufs allerbeste verdeutlichen. Wer weiß, was alle diese Wörter bedeuten?!

Lyskryds – Lichtkreuz, Gågade – Gehstraße, Forår – Vorjahr, Efterår – Nachjahr, Elefantsnot – Elefantenschnodder (kein Witz!), bedstefar – Bester Vater, bedstemor – Beste Mutter, målmand – Tormann, formel-et-løb – Formel-1-Lauf, flyvemaskine – Flugmaschine, sovepose – Schlaftüte, sugerør – Saugrohr, fodgængerfelt – Fußgängerfelt, grøntsager – grüne Sachen, sodavand – Sodawasser, hvidløg – weiße Zwiebel, hovedtelefoner – Kopftelefone.

Viel Spaß beim Raten!

Nordschleswigdeutsch at it’s best

Heute möchte ich versuchen euch von der schönen Deutsch-Dänischen-Mischmaschsprache zu berichten, die hier in der Gegend gerne gesprochen wird: Nordschleswigdeutsch. Alle, die diese Sprache in Perfektion beherrschen, bitte ich schon im Vorfeld sowohl über meine Unzulänglichkeiten beim Gebrauch in diesem Artikel als auch über eventuelle leichte Übertreibungen hinwegzusehen.

Nordschleswigdeutsch ist meiner Meinung nach eine ganz zauberhafte kleine Sprache. Sie entsteht immer dann, wenn im Deutsch-Dänischen Grenzland (nördlich der Grenze) auf Deutsch kommuniziert wird, man dabei aber auf keinen Fall auf dänische Redensarten verzichten möchte. Und so kommt es dann, dass ein Gespräch unter Freunden, die sich zufällig in der Bücherei treffen, sich in etwa wie folgt anhören könnte. Nennen wir unsere beiden fiktiven Leserinnen Ella und Mary.

Ella: Ah hej Mary! Schön dich zu sehen! Habt ihr es gut?

Mary: Moin! Ja, wir haben es gut und wie hast du es?

Ella: Ich hab es auch gut, du. Gestern war ich noch draußen bei Susanne und Manfred. Wir hatten es so schau. Manfred hatte ja Geburtstag. Ihr wart auch eingeladen, wart ihr nicht?

Mary: Jo, das waren wir. Aber meine Schwester war verreist und dann mussten wir ihre Kinder passen. Und einen Hund haben die auch. Den mussten wir dann auch lüften. So sahen wir Fußball im Fernsehen.

Ella: Nå ja Fußball war ja auch. Und mit welcher Mannschaft haltet ihr?

Mary: Wir haben mit Italien gehalten aber Spanien hat ja nun wirklich besser bespielt, das haben sie. Die Italiener waren ja am Ende schon ganz verpustet.

Ella: Nå waren sie das? Jetzt muss ich aber los. Ich soll noch zum Schwimmen. Kannst du es gut haben Mary!

Mary: Ja du auch Ella. Moin!

Ella: Moin, moin!

Und nicht vergessen, dass es sich hier um ein rein fiktives Gespräch handelt! Nie fehlen dürfen beim Nordschleswigdeutsch typische Ausdrücke wie nå oder jo. Nå bedeutet dem Gegenüber gespanntes Interesse mit leichter Überraschung. Jo dagegen ist ganz einfach das dänische doch, was zu kleineren Missverständnissen zwischen (Nord-)deutschen und deutsch sprechenden Dänen führen kann.  Bestimmte Ausdrücke werden gerne Wort für Wort ins Deutsche übertragen und so lüftet man seinen Hund, anstatt mit ihm zu Spazieren oder Gassi zu gehen und fragt den Gesprächspartner wie er oder sie es hat und nicht wie es ihm oder ihr geht. Auf Kinder und Tiere muss man in Nordschleswig auch nicht AUFpassen, sie werden GEpasst. Und wer bei so viel Kauderwelsch ganz außer Atem gerät, der ist schlichtweg verpustet. Und eigentlich bräuchte Nordschleswig eine eigene Fußballmannschaft mit der wir dann alle halten können, anstatt uns zu entscheiden, ob wir für die deutsche oder die dänische oder irgend eine andere Nationalmannschaft sein wollen.

Wer einen Verfall der „richtigen“ deutschen Sprache befürchtet, sollte es soetwas denn überhaupt geben, dem rate ich dringend von einem längeren Aufenthalt in Nordschleswig ab, denn der Gebraucht dieser Sprache färbt definitiv ab! So runzelt dann auch manch einer die Stirn, wenn ich sage, dass mein Telefon endlich wirkt und Blika es gut hat, dass ich später in die Gehstraße gehe aber erst nachdem ich eine Tour mit Blika geritten bin.

Eigentlich ist dieses Thema so unerschöpflich, dass bestimmt noch einige weitere Artikel über diese wunderbare Sprache auf dieser Seite zu finden sein werden.

Bis dahin, könnt ihr es gut haben! Moin, moin!