Wann ist man eigentlich wirklich angekommen?

DannebrogMehr als 3 Jahre Dänemark liegen jetzt bereits hinter mir. Und so langsam stelle ich mir die Frage, wann man eigentlich wirklich angekommen ist in der neuen Heimat? Ich denke, an der Zeit kann man es nicht festmachen. Es gibt Menschen, die leben und arbeiten schon sehr lange in einem fremden Land, sind aber nie wirklich dort angekommen, fühlen sich nie wirklich zu Hause.

Vielleicht ist man angekommen, wenn der momentane Lieblingsohrwurm (Wer sich im dänischen Radio auskennt, merkt jetzt, dass ich diesen Artikel vor einiger Zeit angefangen hab) so geht:

Jeg har tjent en million
Og grædt en tåre for hver en krone
Jeg har fået mit drømmejob
Nu drømmer jeg om at sige op
For baby, mandag, tirsdag, onsdag, torsdag, fredag, lørdag, søndag
Sidder jeg alene
Og mangler det man ikk‘ kan købe for penge
Dit hjerte, Dit hjerte

Und so klingt  🙂

Vielleicht ist man angekommen, wenn man besagten Song laut mitsingen (und verstehen) kann?

Vielleicht ist man angekommen, wenn man beim Buchtitel Liselotte bleibt wach, Liesse-lodde liest, statt Li-se-lot-te.

2014-07-12 15.19.42Vielleicht ist man angekommen, wenn man auf der Landstraße immer 80 km/h fährt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn zu einem richtig gemütlichen Abend nicht Chips und Tee gehören, sondern Bland-selv-slik und Sodavand.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man von einem Sandwich erwartet, dass durch all den Belag vom Brot nichts mehr zu sehen ist und man sich mit einem lächerlichen Salatblatt, einer Scheibe Gurke und Tomate nicht mehr zufrieden gibt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man Euro und Kronen nicht mehr umrechnet, sondern einfach weiß, das 1000 Kronen eine Menge Geld sind und 1000 € noch viel mehr.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man mehr Telefonnummern im Handy hat, die mit +45 beginnen als mit +49.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man gerne jeden zweiten Satz mit „So“ anfangen möchte, da das dänische „Så“ so herrlich unkompliziert ist.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man als Verabschiedung Tschüß, tschüß sagt, weil es ja auch hej hej heißt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einem das Wort Selter nicht mehr einfallen will und man stattdessen „dänisches Wasser“ denkt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man „Moin, moin“ für einen Abschiedsgruß hält.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einem Dänemark so gar nicht mehr außergewöhnlich scheint und einem für diesen Blog deshalb die Ideen ausgehen.

Vielleicht ist man angekommen, wenn einen erneut das Fernweh packt.

Vielleicht ist man angekommen, wenn sich beim Überfahren der Grenze nach Dänemark ein wohlig-heimeliges Gefühl einstellt.

2015-01-30 19.01.45Vielleicht ist man angekommen, wenn einem das Fremde nicht mehr fremd erscheint und das altbekannte langsam immer fremder wird.

Vielleicht ist man angekommen, wenn man stolz ist, wenn man die dänische Fahne tragen darf.

Ob richtig angekommen oder nicht, mein Herz habe ich auf jeden Fall an Dänemark verloren, meiner mittlerweile dritten Heimat.  Hier fühle ich mich wohl, hier bin ich zu Hause.

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Ein Kommentar zu „Wann ist man eigentlich wirklich angekommen?

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