Das papierlose Land

Den täglichen Blick in meinen Briefkasten könnte ich mir eigentlich sparen. Leer. Natürlich.

digitalPostZweimal in der Woche findet sich darin ein jämmerlicher Haufen Werbung, der meistens nicht viel mehr als ein bis zwei Seiten beinhaltet, ansonsten herrscht gähnende Leere. Ich bekomme so gut wie nie Post. Super, denkt man: Keine Post, keine Rechnungen… Aber weit gefehlt! Natürlich flattern auch mir in regelmäßigen Abständen Rechnungen ins Haus, allerdings nie auf dem Postweg. Die Rechnungen landen in meinem E-Mail-Postfach, meiner e-boks (einer Art E-Mail für „offizielle“ Post, die jeder in Dänemark hat) oder direkt in meiner Online-Bank. Ja richtig gelesen. Manche Rechnungen kann ich mir direkt in mein Online-Banking schicken lassen. Der Betrag wird abgebucht und ich kann die Rechnung bei Bedarf direkt dort runterladen. Das alles liegt an Dänemarks Plan zur Digitalisierung. So wird (nicht nur) Energie und Papier gespart. Man kann (fast) alles online erledigen, nicht nur Rechnungen lesen und zahlen, auch Termine und Rezepte beim Arzt bestellen, eine neue Krankenkarte anfordern (die kommt dann allerdings mit der Post. Obwohl es gibt doch auch 3D-Drucker! Vielleicht spart man so in Zukunft noch mehr Zeit und Geld.), Umzug melden, Arbeitslosengeld beantragen, Steuerbescheide lesen oder dem Finanzamt Änderungen melden….

borgerEs gibt so gut wie nichts, was in Dänemark nicht von jedem beliebigen Computer mit Internetanschluss erledigt werden kann. Damit noch nicht genug. Man könnte es ja einfach dabei belassen, den Bürgern diese Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, aber nein, so einfach wollen es sich die dänischen Behörden dann doch nicht machen. Die Bevölkerung muss belehrt werden und ALLE sollen lernen, wie man alles online erledigt. Alle skal være med! Und so sieht man, wenn man dann doch mal einen Fuß in ein Bürgeramt setzen muss (zum Beispiel, weil einem der Führerschein geklaut wurde), eine junge engagierte Mitarbeiterin, die neben einem von 5 Computern steht, und einer zugegeben älteren Dame (schätzungsweise jenseits der 80) erklärt, wie sie ganz einfach online ihre neue Sundhedskort bestellen kann.

Achja und einfach so zum Schalter gehen und sein Anliegen vortragen, geht natürlich auch nicht. Erst muss man einem Computer sagen, was man gerne möchte. Dieser teilt einem dann eine Nummer zu und man wartet geduldig bis die eigene Nummer an einem der Schalter angezeigt wird. Und während des Wartens hat man genügend Zeit darüber zu schmunzeln, wie die junge, engagierte Mitarbeiterin daran verzweifelt, dass die ältere Dame nicht weiß, was eine Computermaus ist geschweige denn wie man sie bedient. God fornøjelse. Digitalisierung sei Dank!

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