Fælles-Mülltonnen? – Im Ernst jetzt?

2014-07-08 17.24.18Mein Vermieter ist hochauf begeistert. Bald geht es endlich los! Dann ist Schluß mit den stinkenden Mülltonnen im Hof! Ich bin weniger begeistert über die Aussicht meinen Müll bald die ganze Straße runtertragen zu dürfen, um ihn zu entsorgen. Nicht, dass mir die zusätzlichen Meter etwas ausmachen würden, aber mit meinen Mülltüten in die Öffentlichkeit? Muss das sein? Nichts mehr mit mal eben kurz in Jogginghose den Müll runter bringen. Jetzt heißt es dazu, Stadtfein machen und Schlüssel nicht vergessen…

Ihr versteht nur Bahnhof? Ich glaube, Schuld ist der dänische Gemeinschaftssinn. Der ist ansonsten eine ganz tolle Sache. Es gibt fælles tur (Gemeinschaftsausritt/ausflug), fælles spisning (Gemeinschaftsessen), fælles solceller (Gemeinschaftssolarzellen)… Man kann aus allem etwas Gemeinsames machen. Die Gemeinschaft ist den Dänen sowieso sehr wichtig. Auf ihre Volksgemeinschaft wird oft verwiesen und diese alle skal være med-Mentalität ist überall spürbar, sei es in der Schule, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Alle sollen teilhaben können. Und diese Mentalität ist denke ich ein Grundstein für den dänischen „Wohlfahrtsstaat“, auch wenn dieser heute nicht mehr ist, was er mal war. Alle sollen die Chance haben sich zu beteiligen, ihren Teil zur Gemeinschaft beizutragen. Aber was um alles in der Welt, hat das mit meinem Müll zu tun?

2014-07-08 17.23.55Naja seit neuestem haben wir Gemeinschaftsmülleimer. Und damit ist nicht gemeint, dass wir aus einem Haus die Mülleimer teilen. Nein. Schön wär’s. Hier teilt gleich eine ganze Straße eine Anlage zur Müllentsorgung. Die Mülleimer sind in den Boden eingelassen und werden nur dann geleert, wenn sie voll sind. Damit hat sich zwar zumindest mein morgendliches Ruhestörungsproblem (siehe hier) gelöst, aber leider sind dafür oben bereits genannte Probleme neu entstanden. Und unsere idyllische Straße, an deren Ende ein kopfsteingepflasterter kleiner Platz mit einem schönen Baum und ein paar Sitzbänken zum Verweilen einlud, endet nun mit ein paar leider gar nicht unauffälligen Mülltonnen. Nur warum können die Dänen nicht verstehen, dass ich mich darüber so gar nicht freuen kann? Ganz im Ernst… Gemeinschaftsmülltonnen… ?!?

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Das papierlose Land

Den täglichen Blick in meinen Briefkasten könnte ich mir eigentlich sparen. Leer. Natürlich.

digitalPostZweimal in der Woche findet sich darin ein jämmerlicher Haufen Werbung, der meistens nicht viel mehr als ein bis zwei Seiten beinhaltet, ansonsten herrscht gähnende Leere. Ich bekomme so gut wie nie Post. Super, denkt man: Keine Post, keine Rechnungen… Aber weit gefehlt! Natürlich flattern auch mir in regelmäßigen Abständen Rechnungen ins Haus, allerdings nie auf dem Postweg. Die Rechnungen landen in meinem E-Mail-Postfach, meiner e-boks (einer Art E-Mail für „offizielle“ Post, die jeder in Dänemark hat) oder direkt in meiner Online-Bank. Ja richtig gelesen. Manche Rechnungen kann ich mir direkt in mein Online-Banking schicken lassen. Der Betrag wird abgebucht und ich kann die Rechnung bei Bedarf direkt dort runterladen. Das alles liegt an Dänemarks Plan zur Digitalisierung. So wird (nicht nur) Energie und Papier gespart. Man kann (fast) alles online erledigen, nicht nur Rechnungen lesen und zahlen, auch Termine und Rezepte beim Arzt bestellen, eine neue Krankenkarte anfordern (die kommt dann allerdings mit der Post. Obwohl es gibt doch auch 3D-Drucker! Vielleicht spart man so in Zukunft noch mehr Zeit und Geld.), Umzug melden, Arbeitslosengeld beantragen, Steuerbescheide lesen oder dem Finanzamt Änderungen melden….

borgerEs gibt so gut wie nichts, was in Dänemark nicht von jedem beliebigen Computer mit Internetanschluss erledigt werden kann. Damit noch nicht genug. Man könnte es ja einfach dabei belassen, den Bürgern diese Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, aber nein, so einfach wollen es sich die dänischen Behörden dann doch nicht machen. Die Bevölkerung muss belehrt werden und ALLE sollen lernen, wie man alles online erledigt. Alle skal være med! Und so sieht man, wenn man dann doch mal einen Fuß in ein Bürgeramt setzen muss (zum Beispiel, weil einem der Führerschein geklaut wurde), eine junge engagierte Mitarbeiterin, die neben einem von 5 Computern steht, und einer zugegeben älteren Dame (schätzungsweise jenseits der 80) erklärt, wie sie ganz einfach online ihre neue Sundhedskort bestellen kann.

Achja und einfach so zum Schalter gehen und sein Anliegen vortragen, geht natürlich auch nicht. Erst muss man einem Computer sagen, was man gerne möchte. Dieser teilt einem dann eine Nummer zu und man wartet geduldig bis die eigene Nummer an einem der Schalter angezeigt wird. Und während des Wartens hat man genügend Zeit darüber zu schmunzeln, wie die junge, engagierte Mitarbeiterin daran verzweifelt, dass die ältere Dame nicht weiß, was eine Computermaus ist geschweige denn wie man sie bedient. God fornøjelse. Digitalisierung sei Dank!