Die Dänen und ihr Dannebrog

Es ist mal wieder so weit: Es gibt etwas zu feiern! Und zwar den 100. Geburtstag des Möbeldesigners Hans Wegner aus Tondern. Hurra, hurra, hurra, wie man nicht nur in Schweden sagt. Und was darf bei einem ordentlichen dänischen (Geburtstags-)Fest natürlich nicht fehlen? Der Dannebrog! Der was? Die ganze Stadt trägt ihn stolz zur Schau, mit ihm werden Straßen geschmückt und Schaufenster dekoriert und am großen Tag darf er in voller Pracht im Wind wehen. Habt ihr’s schon erraten? Oder gar gewusst?

Festlich geschmückt :)
Festlich geschmückt 🙂

Dannebrog – so  heißt die dänische Flagge. Das weiße Kreuz auf rotem Grund darf bei keinem Geburtstag fehlen, nicht bei Dronning Margrethe und auch nicht bei Niels, Søren, Karen oder Ida. Stecken vor einem Haus kleine Fähnchen an der Tür oder im Garten, ist dies ein sicheres Zeichen für ein fröhliches Familienfest. Auch an Weihnachten ist der Dannebrog beliebter Schmuck für Baum und Haus. Aber warum sind die Dänen eigentlich so „vildt“ mit ihrem Dannebrog?

Dannebrog
Dannebrog

Die Fahne hat in Dänemark eine ganz besondere Bedeutung. Als Nicht-Däne hat man es ein bisschen schwer, ganz hinter den Gebrauch des Banners zu steigen, denn nicht immer darf die eigentliche Fahne gehisst werden. Meist sieht man statt der großen Fahne nur kleine dreieckige Wimpel. Wie passt das zusammen? Ein Volk, das so verliebt in seine Nationalfarben ist, dass sie bei keinem Fest fehlen darf und dann nur diese mickrigen Wimpel? Und ist euch schon mal aufgefallen, dass fast ausnahmslos dänische Fahnen im Wind flattern? In Deutschland findet man hier und dort alle möglichen Fahnen in Gärten, Fenstern, Balkonen oder an Autos (okay, das vielleicht nur zur Fußball-Weltmeisterschaft, aber ihr versteht das Bild). Aber in Dänemark: kein Schwarz-Rot-Gold, kein Stars & Stripes, kein Schweizerkreuz… Um zu verstehen, warum den Dänen ihre Fahne sozusagen „heilig“ ist, muss man einen Blick in die Entstehungsgeschichte des Banners werfen. Und die geht so….

Die Truppen von König Waldemar II lagen in der Schlacht von Lyndanisse gegen die heidnischen Esten hoffnungslos zurück. Der Krieg schien so gut wie verloren als am 15. Juni 1219 eine große rot-weiße Fahne vom Himmel fiel und sie Esten in die Flucht schlug. 

Die Grenze
Grenzübergang – hier beginnt Skandinavien 🙂

So viel zur Legende. Der Dannebrog, gottgegeben sozusagen. Und ebenso wird er auch meist behandelt. Als etwas Besonderes, dessen Gebrauch ebenfalls etwas Besonderes sein sollte. Die große Fahne weht nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, während der kleine Wimpel nur markiert „hier wohnt jemand“ und auch über Nacht am Mast hängt. Übrigens ist der Wimpel in der Regel genau halb so lang wie der dazugehörige Fahnenmast.

Typisch dänisch <3
Typisch dänisch ❤

Es ist nicht erlaubt jede beliebige Fahne zu hissen: Skandinavische Länder sind erlaubt, meist zusammen mit dem Dannebrog, der dann oft größer ist und/oder höher hängt. Der Sternenkranz der EU ist erlaubt, mir aber noch nie begegnet. Die deutsche Minderheit in Nordschleswig hat eine Sondergenehmigung beantragt, um ganzjährig Schwarz-Rot-Gold flaggen zu dürfen.

Nach diesem ganzen Insiderwissen, freue ich mich beim nächsten Fest gleich doppelt, wenn ein Jeder die rot-weiße Fahne zückt, denn dann weiß ich, das hier ist etwas Besonderes 🙂