Unterwegs im Niemandsland

Mai ist Reisezeit. Und so habe auch ich mich in diesem Monat das ein oder andere Mal auf gemacht. Mehrmals ging es für mich Richtung Süden. Einmal wurden die freien Tage alleine zu Hause so lang, einmal lockte das Kronshof Special… So kam es dann auch, dass ich mal wieder viel Zeit mit Zug fahren verbracht habe. Beginnen tut die Reise immer mit einem Ausflug ins „Niemandsland“. Denn der erste Teil der Reise wird im Zug von Tondern nach Niebüll verbracht. Diese nur 20-minütige Bahnfahrt ist immer wieder irritierend anders. Denn im türkisen Arriva-Zug fühlt man sich wie in einem Zwischenstadium, zwischen den Welten, weder schon in Deutschland, noch in Dänemark.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Zug ist mit dänischen Beschriftungen versehen und auch der Infomonitor wirbt nicht für Veranstaltungen in Kiel oder Hamburg, sondern für Bibliotheken (ja wirklich!) in Vejle oder Museen in Aarhus.  Doch pünktlich zum grenzübertritt steigt in Tondern ein deutscher Zugführer ein. Bei ihm kann man auch deutsche Fahrkarten kaufen. Manchmal jedenfalls. Denn manchmal schickt er die zahlungswilligen Fahrgäste auch einfach wieder weg mit den Worten „ja is ok, setz dich mal hin.“ Und man fragt sich unweigerlich, ob das in einem rein deutschen Zug, womöglich einem der Deutschen Bahn, auch so abgelaufen wäre?! Nach dem Motto, naja für die paar Minuten… Die Ansagen des Zuges sind zweisprachig, was meine Irritation meistens noch verschlimmert, egal ob mein Gehirn grade auf dänisch oder deutsch vor sich herdenkt. Die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark (oder umgekehrt) ist quasi unsichtbar und für ortsunkundige nur daran zu erkennen, dass der Zug bei Grenzübertritt nach Deutschland plötzlich die Geschwindigkeit spürbar erhöht. Aber trotzdem, in Deutschland, so richtig, ist man erst, wenn man in Niebüll aussteigt. Nur um dann bei der Rückreise wieder einen Ausflug ins Niemandsland zu machen – Næste station: Tønder. Nächste Station: Tondern.

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