In die Wüste geschickt

In Dänemark gibt es keine Wüste. Ich weiß. So weit habe ich in Erdkunde auch aufgepasst. Aber heute habe ich eine neue Lektion in „Nordseeküstenwetter“ gelernt. Und zwar fing alles mal wieder mit meinem Freund dem Wind an. Siehe auch hier. Ich dachte ja nach etwas über einem Jahr konstanter Nordseebrise, würde ich alle seine Gesichter kennen, doch weit gefehlt, denn heute brach er neue Rekorde und versetzte mich in eine ziemlich ungemütliche Situation. Wie kam es dazu und was hat das mit irgendwelchen Wüsten zu tun? Nun ja, eine Wüste besteht ja bekanntlich aus Sand. Sehr viel Sand. Davon habe wir hier auch eine Menge, besonders im Moment, wo die Felder noch nicht bestellt sind. Man kombiniere Wind + trockener Sand = ? Richtig! Sandsturm.

2013-04-18 12.18.05Ich hätte niemals erwartet mit einem solchen in Dänemark konfrontiert zu werden, und doch habe ich heute Bekanntschaft mit Sandkörnern in allen Poren gemacht. Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und kaum außerhalb der Stadt, traue ich meinen Augen nicht, denn vor mir türmt sich eine Wand aus Staub auf. Die Autos auf der Straße sind nur noch an ihren Lichtern zu erkennen. Noch fahre ich in beinahe atemberaubender Geschindigkeit auf die Wolke zu, denn ich habe den enormen Wind im Rücken. Augen zu und durch, denke ich mir und lasse die Staubwolke vorerst hinter mir. 2013-04-18 14.24.29Etwas weiter auf dem Weg bietet sich mir sogar ein sehr hübsch anzusehendes Schauspiel der sich auftürmenden und immer wieder neu herumgewirbelten Sandkörner, die vom Wind meterhoch durch die Luft getrieben werden. Doch ich ahne schlimmes und bei dem Gedanken an den Rückweg gegen den Wind wird mir schon etwas mulmig. Und so kommt es wie es kommen muss. Kurz nach Beginn des Rückwegs, werde ich beinahe vom Fahrrad gepustet und beschließe, doch lieber auf Schieben umzusteigen. Nach einigen Metern endet die bis dahin schützende Böschung und ich muss mein Fahrrad mit beiden Händen festhalten, damit es mir nicht weggerissen wird. Bei starken Böen, muss ich immer wieder stehen bleiben und mich ziemlich gegen den Wind stemmen, um nicht einfach umzufallen. Eine Staubwolke nach der anderen fegt über mich hinweg. Ich kneife die Augen zu und drehe dem Wind den Rücken zu. Anhalten, Windböe abwarten, ein paar Meter weiter gehen, anhalten, Fahrrad festhalten, Windböe abwarten, und wieder ein paar Meter gut machen, anhalten, Füße fest auf den Boden stellen, und noch ein paar Meter weiter. 2013-04-18 14.40.32So kämpfe ich mich Stück für Stück durch den um mich herumwirbelnden Sandsturm. Am Ende komme ich doch noch an. Durchgepustet, mit rauschenden Ohren und Sand in eben diesen. Und ich wünschte ich könnte heute nur eins: Wind und Sand in die (tatsächliche) Wüste schicken!

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