Das Abenteuer Führerschein

Hier könnt ihr meine Erlebnisse und Eindrücke als Fahrschüler in Dänemark nachlesen. All das, was ich euch in den letzten Wochen und Monaten verschwiegen, ja geradezu verheimlicht habe. Sollte es dieser Artikel wirklich schaffen, veröffentlicht zu werden, dann dürft ihr mir gratulieren, denn dann habe ich den Führerschein in der Tasche! Ich werde zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits alle angerufen, angeschrieben oder sonst irgendwie auf diesen phänomenalen Triumph aufmerksam gemacht haben aber meine Erlebnisse bis dahin halte ich nun für euch fest. Denn zwischen diesem wünschenswerten und von mir sehr herbeigesehnten Moment, an dem ich euch allen die frohe Botschaft von meinem heimlichen Führerscheinerwerb verkünden darf, liegen noch so einige Hürden.

Hürde Nummer 1: Der Entschluss

Das wahrscheinlich schwierigste liegt jetzt hinter mir. Ich habe mich entschieden, jetzt soll es so weit sein. Ich will auch endlich einen Führerschein! Also schnell mal im Internet nach einer geeigneten Fahrschule gesucht und fündig geworden: Tønder Trafikskole. Kenne ich nicht das Logo, das auf der Website prangt? Ja richtig, auf dem Weg zu Blika bin ich schon etliche Male daran vorbeigeradelt. Also gut, wie geht das denn hier in Dänemark? Der erste Unterschied: Man kann nicht zu jedem Zeitpunkt einsteigen und anfangen wann man will. Es heisst also warten bis die nächste Runde Theorieunterricht startet. Næste holdstart: 20. august. Okay. Online angemeldet (in Dänemark geht ja bekanntlich alles online) und was braucht man sonst noch so? Also eine Kopie meiner Krankenversichertenkarte, check, kein Problem. Eine Kopie von meiner Aufenthaltsgenehmigung, check? Ich habe nur einen Regestrierungsbeweis aber ich nehme an, dass das gemeint ist. Ein Passfoto, check, habe ich noch von meinem letzten Personalausweis. Bescheinigung über einen absolvierten Erste Hilfe Kurs, autsch, da muss ich wohl durch. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung aber was soll’s. Also auch dafür wieder das Internet durchstöbert und natürlich gleich online angemeldet. Am 21.8. geht’s los, zweimal muss man erscheinen, dann hat man auch diese Hürde hinter sich gebracht. Und was steht dort als letztes? Ein ärztliches Attest… im Ernst!?

Hürde Nummer 2: Das ärztliche Attest

Ich schob es vor mir her. Und ich war mir dessen bewusst. Doch endlich endlich machte ich einen Termin bei meiner Ärztin, natürlich online. Das Passfoto musste ich mitbringen und so saß ich ungeduldig und ohne zu wissen, was für eine Art „Untersuchung“ mich erwartete im Wartezimmer. Als ich endlich dran war musste ich zu erst einen Fragebogen über meinen gesundheitlichen Werdegang ausfüllen. Hinterher der Ärztin fast genau die gleichen Fragen nochmal mündlich beantworten, sie gab die Antworten dann in ihren Computer ein. Einen Sehtest hatte ich ja erwartet und der wurde dann auch ordnungsgemäß durchgeführt. Danach musste ich noch Zahlen wiederholen, die die Ärztin mir vom anderen Ende des Raumes nannte, um mein Gehör zu testen und vormachen, dass ich in der Lage war einen Schulterblick in beide Richtungen auszuführen. Zum Schluss wurde mein Bild mit einem Stempel versehen. Damit wurde bestätigt, dass ich auch wirklich ich war und nicht meine Freundin zur Untersuchung geschickt hatte. Zu guter Letzt wurde das Foto mitsamt „motorattest“ in einen Umschlag gesteckt, den ich ungeöffnet bei meiner Fahrschule abgeben musste. So einfach. So kurz. Und trotzdem etwas merkwürdig. Einfach zum Schmunzeln.

Hürde Nummer 3: Das erste Mal

Die erste Theoriestunde stand an. Ich war natürlich mächtig aufgeregt. Hoffentlich spricht die Fahrlehrerin schön deutlich und kein unverständliches Gemurmel. Hoffentlich bin ich nicht die einzige über 18 Jahren im Raum, die Fahrlehrerin ausgenommen. Eine kleine Gruppe Fahrschüler versammelte sich. Und ich stellte erleichtert fest, meine beiden größten Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Ich konnte die Fahrlehrerin Annelise gut verstehen und war auch sicher nicht die einzige über 18 Jahre im Raum. Und noch dazu war ich nichtmal die einzige Ausländerin im Raum. Wunderbar. Nach den Formalitäten, begann der Unterricht mit Lektionen über die Technik des Autos und die Fahrtüchtigkeit des Autos sowie der dazugehörigen Gesetzgebung. Selbst Annelise findet diese Lektion langweilig und verspricht uns für die Zukunft spannendere Theoriestunden. Ich bin froh, von allem in Deutschland schon mal etwas gehört zu haben und kann so dem Unterricht ohne Probleme folgen. Beim abschliessenden Test, habe ich sogar das beste Ergebnis von allen und sitze mit meinen 3 Fehlerpunkten lächelnd in dem kleinen Raum. So weit so gut, doch dann kommt der Schock. Eure erste Fahrstunde ist übermorgen! Treffpunkt Tankstelle am Kongevej 7:45 Uhr. Oh oh. Es wird Ernst.

Hürde Nummer 4: Der Übungsplatz und der kleine weiße Suzuki

Die dänische Fahrausbildung sieht vor, dass man immer eine Theoriestunde hat und anschließend diese Theorie in die Praxis umsetzt. Sprich, wenn man am Montag etwas über Anfahren und Bremsen lernt, dann soll man das bei der nächsten Fahrstunde auch gleich mal vorführen. Die erste Fahrstunde wird auf einem Übungsplatz abgehalten. Immer drei Fahrschüler fahren gleichzeitig und zwar ganz allein. Meine Fahrlehrerin dazu:“ Genießt es, allein im Auto zu sitzen, denn das ist bis zu eurer Fahrprüfung das letzte Mal, dass ihr alleine fahren dürft.“ Ich stehe also pünktlich um 7:45 am Mittwochmorgen an der verabredeten Stelle und bekämpfe das mulmig-aufgeregte Gefühl. Wir fahren zum Übungsplatz und müssen zuerst eine Runde mit den Fahrlehrer fahren. Die Fahrschule hat drei Fahrlehrer und dieses Mal ist Preben mit uns unterwegs. Er spricht leider nicht ganz so herrlich „Hochdänisch“ wie Annelise aber er merkt schnell, dass ich ihn nicht so gut verstehen kann und passt sich mir an. Er zeigt uns alle Übungen, die wir auf dem Rundkurs absolvieren müssen. Offiziell heißt diese Einheit „Manöver“. Und schon teilen wir drei Fahrschüler uns auf die drei kleinen Suzukis auf. Meiner ist weiß, die meiner „Kollegen“ sind blau und rot. Über das Radio hören wir die Anweisungen, die der Fahrlehrer uns gibt. Und er sagt ganz einfach nur „Du kannst jetzt losfahren“. Hm… Wie war das noch? Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und schon gehts ganz langsam los. Zum Glück habe ich das schonmal gemacht. In großem Sicherheitsabstand bewegen wir und um die Übungsbahn. Anhalten, losfahren, Kurve fahren. Alles kein Problem. Erstmal an die Geschwindigkeit gewöhnen und ans Schalten denken. Mehr nicht. Kein Verkehr, nichts auf das man achten muss. Ich bin jetzt schon begeistert von der Idee, die erste Fahrstunde auf dem Übungsplatz abzuhalten. In aller Ruhe spiele ich mit Kupplung, Gas und Bremse ohne Angst etwas falsch zu machen, denn mein Fahrlehrer sitzt ja da hinten in seinem Kabuff und sieht mein Auto nur von außen. Er scheint aber mit dem, was er sieht ganz zufrieden, denn bald gibt er uns neue Aufgaben. Wir müssen zwischen zwei beweglichen und gepolsterten Stangen hin und her fahren, also wechseln wir vom Vorwärts – ind den Rückwärtsgang und wieder zurück. Wir sollen jeweils die Stangen berühren, sie sollen jedoch nicht vollkommen unter dem Auto verschwinden. Im Slalom um ein paar Hütchen fahren. Ok, auch nicht so schwer. Dann geht’s aber doch ans Eingemachte. Am Berg (ja es gibt einen kleinen Übungshügel) anfahren und zwar anders als ich es in Deutschland gelernt habe, ohne Handbremse. Und auch das Lenken wird hier anders gelehrt. Arme kreuzen erwünscht und nicht wie bei der deutschen Fahrausbildung verpöhnt. Im Gegenteil Preben nennt die in Deutschland bevorzugte Variante „Großelternsteuerung“. Zurück zum Thema Anfahren am Berg. Es klappt ganz gut, doch ab und zu säuft mir mein kleiner Flitzer ab. Und endlich, endlich nach ein paar Versuchen habe ich verstanden, was man tun muss, wenn einem das Auto absäuft. In Deutschland habe ich das in all meinen Fahrstunden nicht gelernt und bin wegen Verunsicherung beim Neustart des Autos durch die Fahrprüfung gefallen… So die nächste Aufgabe lautet: Rechtskurven um ein Viereck fahren, danach Rückwärts um die Kurve fahren. Dann wird der Schwierigkeitsgrad wieder erhöht und wir fahren den Slalom von vorhin im Rückwärtsgang. Klappt erstaunlich gut, allerdings nur, solange man den ersten Pylon richtig erwischt, ist das nicht der Fall, ist man hoffnungslos verloren. Aber ich meistere auch diese Aufgabe ganz gut, obwohl es in diesem Moment wolkenbruchartig anfängt zu regnen. Zum Glück weiß ich, wo der Scheibenwischer angeht. Alle Aufgaben sind übrigens so lange zu wiederholen, bis sie einigermaßen Fehlerfrei ausgeführt werden. Es folgen Parkmanöver vorwärts, rückwärts, seitwärts, wobei mir vorwärts die größten Probleme bereitet. Das Parallelparken, für das ich ebenfalls in Deutschland durch eine Fahrprüfung gefallen bin, funktioniert am besten. Auch die Drei-Punkte-Wende und ein klassicher U-Turn werden geübt. Zum Schluss noch das Anhalten aus höheren Gängen und ein paar Vollbremsungen und schon sind mehr als 3 Stunden vergangen. Mit etwas steifen Beinen steige ich aus dem kleinen Auto aus, das mit so gute Dienste geleistet hat und freue mich schon auf den Muskelkater am nächsten Tag. Meine nächste Fahrstunde findet dann auch richtig auf der Straße statt und außerdem in einem klimatisierten Golf, worüber ich nach dieser schweißtreibenden Fahrt auch ganz glücklich bin.

Weitere Hürden folgen….

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Ein Kommentar zu „Das Abenteuer Führerschein

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