Das Abenteuer Führerschein Teil 2

Hürde Nummer 5: Der Erste-Hilfe-Kurs und die Beinahe-Ohnmacht

Zwei mal knappe drei Stunden Erste-Hilfe-Kurs… Oh ja, da kam Freude auf… Aber wat mut, dat mut und so hieß es für mich an zwei aufeinanderfolgenden Dienstagen im August: nach der Arbeit ist vorm Erste-Hilfe-Kurs. Tønder Grundskole – Raum 250 – 18.00 Uhr. Ich bin um kurz vor sechs die erste Teilnehmerin. Der Kursleiter Jørn begrüßt mich herzlich und wir warten auf weitere Teilnehmer. Schnell stellt sich heraus, dass von den fünf angemeldeten nur 4 teilnehmen. Ok das ist mal eine kleine Runde für so einen Kurs. Der erste Dienstag verläuft ziemlich unspektakulär und ist eigentlich auch gar nicht so uninteressant, wie ich befürchtet hatte. Gefühlte zwei dutzend Mal muss jeder eine Puppe wiederbeleben und am Ende gibt es für uns alle ein kleines Büchlein, in dem wir nachlesen können, was wir gelernt haben. Meine Erinnerung an meinen letzten Erste-Hilfe-Kurs in Deutschland ist sehr wage, doch ich weiß noch, dass jeder nur einmal eine Wiederbelebung ausprobieren konnte und der kleine Raum ziemlich überfüllt war. Noch dazu wurde alles an einem Tag durchgenommen, was dann doch ein bisschen viel war. Nun ja hier ist das nicht der Fall und so steht eine Woche später der zweite Teil an. Dieses Mal geht es um Verletzungen, die im Straßenverkehr vorkommen können, um gebrochene Knochen und offene Wunden. Alles ja auch eigentlich ganz interessant, doch plötzlich merke ich, wie meine Beine anfangen zu kribbeln, als wären sie eingeschlafen. Kurz darauf fühlen sich meine Arme genauso an… Irgendwas stimmt da nicht, denke ich noch, bevor ich merke, dass es mir irgendwie gar nicht gut geht. Ein paar Worte zum Kursleiter und ich schwanke aus dem Raum in Richtung Frischluft. Ich wusste ja, dass solche Dinge nicht zu meinen Lieblingthemen gehören aber die heftige Reaktion meines Körpers hat mich dann doch eher überrascht. Nach ein paar Minuten kommt Jørn raus, um mir zu sagen, dass er jetzt fertig ist mit dem Teil über Knochenbrüche, offene Wunden und Verbrennungen. Mir geht es mittlerweile auch schon wieder besser und so wird der Kurs fortgesetzt. Der Rest ist geradezu ein Kinderspiel. Wir binden uns gegenseitig Verbände um und stellen verschiedene Situationen nach. Und zum Schluss das wichtigste: Wir bekommen ein kleines Heftchen, dass unsere Teilnahme bestätigt. Das ist auf jeden Fall ein besseres Gefühl, als die Rechnung, die der einzige Nachweis der Teilnahme in Deutschland war. Glücklich und zufrieden radele ich also nach Hause und schmunzele ein wenig über meine Beinahe-Ohnmacht, die mir bis heute ein Rätsel bleibt.

Hürde Nummer 6: Verkehrsunfall und Kindergarten

Nachdem die erste Fahrstunde relativ harmlos verlief und ich einmal durch die dänische Pampa gefahren bin, war die zweite Fahrstunde dann doch schon etwas aufregender und das obwohl mein Puls im Vergleich zur ersten doch angenehm ruhig war. Ich hatte mir vorgenommen meine Einstellung zu ändern: Ich will mich auf jede Fahrstunde freuen! Weg mit den Gedanken darüber, wie schwierig das alles ist und jede Fahrstunde voll ausnutzen. So weit so gut. Der gute Vorsatz ist ja immerhin ein erster Schritt nicht wahr? In der dänischen Fahrschule gibt es für jede Fahrstunde ein Thema. In der ersten Stunde war es zum Beispiel Igangsætning – Anfahren. Ich persönlich finde das sehr klug, denn so folgt auf die Theorieeinheit immer in der selben Woche die passende Praxis. Heute hieß es für mich: Kørsel i rundkørsel und Kørsel mod kryds – Fahren im Kreisverkehr und Kreuzungen. Und im Grunde bin ich 45 Minuten in Tondern im Kreis gefahren und habe gelernt, wie man vorm Abbiegen runterbremst und um die Kurve fährt. Erstaunlicherweise mit Aha-Effekt, denn so genau hat man mir das in Deutschland noch nie erklärt. Ich glaube, es liegt daran, dass sich die Fahrausbildung so nah an einem festen Plan orientiert, so können sich die Fahrlehrer auch besser vorbereiten und haben einen Leitfaden, wann sie am besten was erklären. In Deutschland fährt man los und alles geht ein bisschen durcheinander und es wird das zuerst erklärt, was zuerst passiert. Die eigentliche Herausforderung meiner zweiten Fahrstunde war aber nicht das viele Abbiegen und im Kreis fahren, sondern die vielen Radfahrer, die im Stadtverkehr auftauchen und viele Kindergartengruppen, die an allen Ecken gleichzeitig auftauchen und dann plötzlich ruft meine Fahrlehrerin auch noch: „Da liegt jemand auf der Straße!“ und guckt aufgeregt aus dem Seitenfenster. Doch hinter uns stoppen bereits einige Autos und so setzen wir unsere Fahrt fort. Tatsächlich stehen dort als wir auf dem Rückweg wieder vorbei kommen ein Rettungswagen und die Polizei befragt einen Autofahrer. Und ich dachte immer auf Dänemarks Straßen wäre vergleichsweise wenig los. So ein Schock muss erstmal verdaut werden, doch zum Glück ist es noch fast eien Woche bis zu meiner nächsten hoffentlich weniger abenteuerlichen Fahrstunde. Und trotz diverser Verunsicherungen auf dem Weg  und meiner Unbeholfenheit beim Lenken, Fahren und überhaupt allem, sagt Annelise am Ende zu mir: „Det var da godt!“ – Das war doch gut 🙂

Hürde Nummer 7: „Hvor der slettes, der flettes“ – Theorie

Jeden Montag um 17.45 hieß es für mich in den letzten Wochen: Theoriestunde. Insgesamt muss man 10 mal 1,5 Stunden überstehen und das war auch eigentlich gar nicht so schlimm. Etwas anders als in Deutschland war es allerdings schon. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, wurde eigentlich immer eine Verkehrssituation gezeigt und gefragt und diskutiert, was denn wohl zu tun sei. Der Theorieunterricht verläuft parallel zu den Fahrstunden, was den großen Vorteil hat, dass das ganze sehr viel Praxisnaher ist, als der Theorieunterricht in Deutschland. Der Nachteil ist vielleicht, dass man seine Fahrstunden nicht so frei einteilen kann, da ja alle bis zur nächsten Woche die entsprechende Fahrstunde absolviert haben müssen. Allerdings gibt es der Fahrausbildung eine feste Struktur, an der man sich toll orientieren kann. So nach dem Motto: „Heute habe ich gelernt in einem Kreisverkehr zu fahren und nächste Woche lerne ich Linksabbiegen.“ Natürlich ist man schon vorher mal Links abgebogen aber die Fahrlehrer achten darauf, die Kreuzungen auszulassen, an denen Links abbiegen komplizierter ist als anderswo bis man die entsprechende Fahrstunde hatte. Inhaltlich gibt es auch einige Unterschiede im Vergleich zum Theorieunterricht in Deutschland aber die alle zu beschreiben wäre wohl etwas langweilig. Nur noch ein Wort zu obenstehedem Zitat: „Hvor der slettes, der flettes.“ Das ist der einzige Merksatz, den ich in der ganzen Zeit gehört habe und er soll einen daran erinnern, dass an Stellen, wo man die Fahrbahn wechselt, immer dort das Reißverschlussverfahren angewendet wird (Sammenfletning), wo die gestrichelten Fahrbahnlinien „gelöscht“ (slet) sind.

Hürde Nummer 8: Der Anruf

Montag morgen, 7:40 Uhr, irgendwo in Tondern. Fahrstunde Nummer 4. Ein Handy klingelt. Zu meiner großen Verwunderung geht meine Fahrlehrerin auch ran. Naja ich fahre dann mal weiter… Sie wird ja gleich sagen, dass sie eine Fahrstunde hat und grade nicht telefonieren kann. Wir fahren auf eine Kreuzung zu. Ein Finger zeigt nach Links, während die andere Hand immer noch das Handy festhält. Wir verlassen die Stadt und fahren auf einen Kreisel zu. Zwei Finger werden in die Höhe gehalten. Ah ja, zweite Abfahrt, alles klar. Wieder zeigt ein Finger die Richtung. Rechts rum. Und so geht das ungefähr 15 bis 20 Minuten lang. Ich frage mich, wie viele Fehler ich in der Zwischenzeit wohl gemacht habe und beruhige mich mit dem Gedanken, dass es so schlimm ja nicht gewesen sein kann, sonst hätte sie ja doch irgendwann mal aufgelegt, oder nicht?!

Weitere Hürden folgen in Kürze… Ja ich hab euch ja gesagt, es gab VIELE Hürden 😉

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