Das Abenteuer Führerschein – Teil 4

Hürde Nummer 12 – Den Schalter endlich umlegen

Langsam wird es ernst. Sehr ernst. Noch genau eine Woche bis zur Fahrprüfung. Eine meiner letzten Fahrstunden. Meine Fahrlehrerin scheint mir viel zu zutrauen, denn sie hat mich zur Fahrprüfung angemeldet, noch bevor meine Pflichtfahrstunden alle absolviert sind. Vi skal nok få dig klar! Okay, wenn sie daran glaubt, versuche ich das auch. Doch bei besagter Fahrstunde bin ich was das angeht ziemlich an meine Grenzen gekommen. Wir tun jetzt einfach so, als wäre das hier schon deine Fahrprüfung, sagt Annelise am Anfang der Fahrt zu mir. Schluck. Kloß im Hals. Und prompt reiht sich ein Fehler an den anderen. Ich fahre zu langsam, bin verunsichert. Soll ich jetzt hier trotz der vielen Autos und der schlechten Straße 50 km/h fahren oder nicht? Wie war das nochmal mit dem Abbiegen und wo soll ich überhaupt zu erst hingucken? Beim vierten Versuch mein Rückwärts-Einparken noch zu korrigieren und irgendwie in die Parklücke zu kommen, die gar keine richtige Lücke ist, denn es steht nur ein einziges anderes Auto auf dem Parkplatz, bin ich beinahe am verzweifeln. Wir machen eine Pause und „haben mal einen Schnack“. Pep-talk würde man in den USA dazu sagen. Du kannst das! Du kannst das viel viel besser! Kurze Verzweiflung kommt auf. Doch es ist Zeit den Schalter umzulegen. Wir verlassen den Parkplatz. Rückwärts um die Kurve – ein Versuch, kein Korrigieren. Parallel-Parken – ein Versuch, kein Korrigieren. Links abbiegen – kein Problem. Enge Kurven, Gegenverkehr – kein Probelm. Es läuft. Plötzlich läuft es wie von selbst. So muss es bleiben! Diesen Schalter bloß nicht wieder zurück schalten. Noch eine Woche bis zur Fahrprüfung. Langsam wird es ernst. Sehr ernst.

Hürde Nummer 13 – Mittwoch, der 14. November

Bestanden 🙂

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Das Abenteuer Führerschein – Teil 3

Hürde Nummer 9: Termine, Termine, Termine

Oder auch, die Woche in der ich fahren lernte… Oder auch nicht!? 5 Tage – 5 Fahrstunden – 2 mal Theorie und ach ja nebenbei noch arbeiten und mein Ponychen versorgen. Wie genau es kam, dass ich plötzlich 5 Fahrstunden in einer Woche hatte, weiß ich auch nicht mehr so ganz genau. Ich muss schon sagen, diese Woche hatte es in sich aber und dass ist das Gute daran, ich habe sehr sehr viel gelernt, ich kann die noch vor mir liegenden Hürden bald an einer Hand abzählen und ich habe sowohl die Nachtfahrt als auch die Autobahn hinter mir. Die Termine abzusprechen und das ganze Vorhaben geheim zu halten entwickelt sich langsam zu einer eigenen Hürde. Bis jetzt funktioniert es aber noch ganz wunderbar und so erspare ich mir weiterhin alle blöden Fragen nach dem Motto: Was macht denn dein Führerschein?

Hürde Nummer 10: Schleudertrauma?!

Er ist gekommen. Der Tag vor dem ich am meisten Angst hatte. Eigentlich der einzige Teil der Fahrausbildung vor dem ich Angst hatte. Morgens sammelt uns ein Mini-Van ein. Sechs Fahrschüler auf dem Weg nach Frederecia. Nach 1,5 Stunden Fahrt quer durch Dänemark sind wir da. Es wird ernst. Jeder bekommt ein feines, kleines Auto. VW Polo. Silber. Nummer 3 steht drauf. Kein Fahrlehrer nimmt an meiner Seite Platz. Ich bin ziemlich auf mich allein gestellt. Eigentlich ist das ganze, wie meine erste Fahrstunde, denn wir befinden uns wieder auf einem geschlossenen Übungsplatz. Der einzige Unterschied: dieses Mal fahren wir schneller als nur Schneckentempo und dieses Mal wird die Fahrbahn geflutet. Wir sind auf einer sogenannten fahrttechnischen Anlage. Ein Fahrsicherheitstraining ist Pflicht für alle Führerscheinaspiranten in Dänemark und so muss auch ich diese nervenaufreibende Mutprobe überstehen. Es geht ganz gemächlich los. Vollbremsung, Ausweichmanöver auf trockener und komplett nasser Straße. Immer wieder wird die Geschwindigkeit erhöht und die Reifen beginnen zu quietschen und zu qualmen. Die nächste Anweisung: aufs Wasser fahren, Kupplung treten, Handbremse ziehen. Oh, oh. Mein kleines Auto dreht sich wild durch die Gegend und ich bin vollkommen machtlos. Dann kommt es nach einer gefühlten Ewigkeit zum Stehen. Bum, bum.. bum, bum macht mein Herz aber eigentlich war es gar nicht so schlimm. Auch nach mehrmaligen Versuchen schaffe ich es übrigens im Gegensatz zu meinen Mitstreitern nicht dem lustigen Schleifen-drehen entgegenzuwirken, denn dazu müsste man merken in welche Richtung sich das Hinterteil des Autos bewegt und das ist meinem sonst so gutem Gleichgewichtssinn einfach nicht gelungen. Zum Formel 1 Fahrer tauge ich also vielleicht doch nicht aber vor einem Fahrsicherheitstraining habe ich jedenfalls keine Angst mehr!

Hürde Nummer 11: Teoriprøve bestået

Eine ziemlich normale Hürde bei Erwerb eines Führerscheins ist die Theorieprüfung. Und natürlich ist auch die in Dänemark etwas anders als in Deutschland. Um es vorweg zu nehmen: Bestanden beim ersten Versuch 🙂 So, und wie ist das nun in Dänemark mit der Theorieprüfung? Naja Sie besteht aus 25 Fragen. So weit – so normal. Mittels Beamer wird immer eine Situation aus dem Straßenverkehr an die Wand geworfen und eine synthetische Stimme erklärt die Situation. Man kann nur gut zuhören, denn man hat nicht die Möglichkeit die Frage nochmal durchzulesen. Dann folgen 2 bis 4 Fragen oder Antwortmöglichkeiten. Auf einem Antwortbogen muss man dann nur noch ja oder nein ankreutzen. Beim Üben am Computer sieht das so aus:

Die Frage lautet: Worauf musst du hier besonders aufmerksam sein?

1. Ich fahre auf die Autobahn.

2. Ich fahre auf eine Kraftfahrstraße.

3. Nach den Schildern ist die höchste zugelassene Geschwindigkeit 80 km/h.

4.  Nach den Schildern ist die höchste zugelassene Geschwindigkeit 90 km/h.

Nein, ja, nein, ja. Fertig. Die Frage nach der besonderen Aufmerksamkeit ist am häufigsten, dicht gefolgt von Fragen wie: „Du fährst 80 km/h. Hinter dir sind keine Fahhrzeuge. Was machst du nun?“ Geschwindigkeit und andere Verkehrsteilnehmer sind dabei auswechselbar.

Eigentlich gar nicht so schwer aber, wie ich finde, sehr nah an der Praxis, was man von der deutschen Theorieprüfung nicht in dem Ausmaß behaupten kann (finde ich). Ich habe jedenfalls gelernt, meine Aufmerksamkeit auf die Dinge zu richten, die in dem Moment besonders wichtig sind. Naja Hauptsache bestanden. Hürde Nummer 11 – überwunden.

Das Abenteuer Führerschein Teil 2

Hürde Nummer 5: Der Erste-Hilfe-Kurs und die Beinahe-Ohnmacht

Zwei mal knappe drei Stunden Erste-Hilfe-Kurs… Oh ja, da kam Freude auf… Aber wat mut, dat mut und so hieß es für mich an zwei aufeinanderfolgenden Dienstagen im August: nach der Arbeit ist vorm Erste-Hilfe-Kurs. Tønder Grundskole – Raum 250 – 18.00 Uhr. Ich bin um kurz vor sechs die erste Teilnehmerin. Der Kursleiter Jørn begrüßt mich herzlich und wir warten auf weitere Teilnehmer. Schnell stellt sich heraus, dass von den fünf angemeldeten nur 4 teilnehmen. Ok das ist mal eine kleine Runde für so einen Kurs. Der erste Dienstag verläuft ziemlich unspektakulär und ist eigentlich auch gar nicht so uninteressant, wie ich befürchtet hatte. Gefühlte zwei dutzend Mal muss jeder eine Puppe wiederbeleben und am Ende gibt es für uns alle ein kleines Büchlein, in dem wir nachlesen können, was wir gelernt haben. Meine Erinnerung an meinen letzten Erste-Hilfe-Kurs in Deutschland ist sehr wage, doch ich weiß noch, dass jeder nur einmal eine Wiederbelebung ausprobieren konnte und der kleine Raum ziemlich überfüllt war. Noch dazu wurde alles an einem Tag durchgenommen, was dann doch ein bisschen viel war. Nun ja hier ist das nicht der Fall und so steht eine Woche später der zweite Teil an. Dieses Mal geht es um Verletzungen, die im Straßenverkehr vorkommen können, um gebrochene Knochen und offene Wunden. Alles ja auch eigentlich ganz interessant, doch plötzlich merke ich, wie meine Beine anfangen zu kribbeln, als wären sie eingeschlafen. Kurz darauf fühlen sich meine Arme genauso an… Irgendwas stimmt da nicht, denke ich noch, bevor ich merke, dass es mir irgendwie gar nicht gut geht. Ein paar Worte zum Kursleiter und ich schwanke aus dem Raum in Richtung Frischluft. Ich wusste ja, dass solche Dinge nicht zu meinen Lieblingthemen gehören aber die heftige Reaktion meines Körpers hat mich dann doch eher überrascht. Nach ein paar Minuten kommt Jørn raus, um mir zu sagen, dass er jetzt fertig ist mit dem Teil über Knochenbrüche, offene Wunden und Verbrennungen. Mir geht es mittlerweile auch schon wieder besser und so wird der Kurs fortgesetzt. Der Rest ist geradezu ein Kinderspiel. Wir binden uns gegenseitig Verbände um und stellen verschiedene Situationen nach. Und zum Schluss das wichtigste: Wir bekommen ein kleines Heftchen, dass unsere Teilnahme bestätigt. Das ist auf jeden Fall ein besseres Gefühl, als die Rechnung, die der einzige Nachweis der Teilnahme in Deutschland war. Glücklich und zufrieden radele ich also nach Hause und schmunzele ein wenig über meine Beinahe-Ohnmacht, die mir bis heute ein Rätsel bleibt.

Hürde Nummer 6: Verkehrsunfall und Kindergarten

Nachdem die erste Fahrstunde relativ harmlos verlief und ich einmal durch die dänische Pampa gefahren bin, war die zweite Fahrstunde dann doch schon etwas aufregender und das obwohl mein Puls im Vergleich zur ersten doch angenehm ruhig war. Ich hatte mir vorgenommen meine Einstellung zu ändern: Ich will mich auf jede Fahrstunde freuen! Weg mit den Gedanken darüber, wie schwierig das alles ist und jede Fahrstunde voll ausnutzen. So weit so gut. Der gute Vorsatz ist ja immerhin ein erster Schritt nicht wahr? In der dänischen Fahrschule gibt es für jede Fahrstunde ein Thema. In der ersten Stunde war es zum Beispiel Igangsætning – Anfahren. Ich persönlich finde das sehr klug, denn so folgt auf die Theorieeinheit immer in der selben Woche die passende Praxis. Heute hieß es für mich: Kørsel i rundkørsel und Kørsel mod kryds – Fahren im Kreisverkehr und Kreuzungen. Und im Grunde bin ich 45 Minuten in Tondern im Kreis gefahren und habe gelernt, wie man vorm Abbiegen runterbremst und um die Kurve fährt. Erstaunlicherweise mit Aha-Effekt, denn so genau hat man mir das in Deutschland noch nie erklärt. Ich glaube, es liegt daran, dass sich die Fahrausbildung so nah an einem festen Plan orientiert, so können sich die Fahrlehrer auch besser vorbereiten und haben einen Leitfaden, wann sie am besten was erklären. In Deutschland fährt man los und alles geht ein bisschen durcheinander und es wird das zuerst erklärt, was zuerst passiert. Die eigentliche Herausforderung meiner zweiten Fahrstunde war aber nicht das viele Abbiegen und im Kreis fahren, sondern die vielen Radfahrer, die im Stadtverkehr auftauchen und viele Kindergartengruppen, die an allen Ecken gleichzeitig auftauchen und dann plötzlich ruft meine Fahrlehrerin auch noch: „Da liegt jemand auf der Straße!“ und guckt aufgeregt aus dem Seitenfenster. Doch hinter uns stoppen bereits einige Autos und so setzen wir unsere Fahrt fort. Tatsächlich stehen dort als wir auf dem Rückweg wieder vorbei kommen ein Rettungswagen und die Polizei befragt einen Autofahrer. Und ich dachte immer auf Dänemarks Straßen wäre vergleichsweise wenig los. So ein Schock muss erstmal verdaut werden, doch zum Glück ist es noch fast eien Woche bis zu meiner nächsten hoffentlich weniger abenteuerlichen Fahrstunde. Und trotz diverser Verunsicherungen auf dem Weg  und meiner Unbeholfenheit beim Lenken, Fahren und überhaupt allem, sagt Annelise am Ende zu mir: „Det var da godt!“ – Das war doch gut 🙂

Hürde Nummer 7: „Hvor der slettes, der flettes“ – Theorie

Jeden Montag um 17.45 hieß es für mich in den letzten Wochen: Theoriestunde. Insgesamt muss man 10 mal 1,5 Stunden überstehen und das war auch eigentlich gar nicht so schlimm. Etwas anders als in Deutschland war es allerdings schon. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, wurde eigentlich immer eine Verkehrssituation gezeigt und gefragt und diskutiert, was denn wohl zu tun sei. Der Theorieunterricht verläuft parallel zu den Fahrstunden, was den großen Vorteil hat, dass das ganze sehr viel Praxisnaher ist, als der Theorieunterricht in Deutschland. Der Nachteil ist vielleicht, dass man seine Fahrstunden nicht so frei einteilen kann, da ja alle bis zur nächsten Woche die entsprechende Fahrstunde absolviert haben müssen. Allerdings gibt es der Fahrausbildung eine feste Struktur, an der man sich toll orientieren kann. So nach dem Motto: „Heute habe ich gelernt in einem Kreisverkehr zu fahren und nächste Woche lerne ich Linksabbiegen.“ Natürlich ist man schon vorher mal Links abgebogen aber die Fahrlehrer achten darauf, die Kreuzungen auszulassen, an denen Links abbiegen komplizierter ist als anderswo bis man die entsprechende Fahrstunde hatte. Inhaltlich gibt es auch einige Unterschiede im Vergleich zum Theorieunterricht in Deutschland aber die alle zu beschreiben wäre wohl etwas langweilig. Nur noch ein Wort zu obenstehedem Zitat: „Hvor der slettes, der flettes.“ Das ist der einzige Merksatz, den ich in der ganzen Zeit gehört habe und er soll einen daran erinnern, dass an Stellen, wo man die Fahrbahn wechselt, immer dort das Reißverschlussverfahren angewendet wird (Sammenfletning), wo die gestrichelten Fahrbahnlinien „gelöscht“ (slet) sind.

Hürde Nummer 8: Der Anruf

Montag morgen, 7:40 Uhr, irgendwo in Tondern. Fahrstunde Nummer 4. Ein Handy klingelt. Zu meiner großen Verwunderung geht meine Fahrlehrerin auch ran. Naja ich fahre dann mal weiter… Sie wird ja gleich sagen, dass sie eine Fahrstunde hat und grade nicht telefonieren kann. Wir fahren auf eine Kreuzung zu. Ein Finger zeigt nach Links, während die andere Hand immer noch das Handy festhält. Wir verlassen die Stadt und fahren auf einen Kreisel zu. Zwei Finger werden in die Höhe gehalten. Ah ja, zweite Abfahrt, alles klar. Wieder zeigt ein Finger die Richtung. Rechts rum. Und so geht das ungefähr 15 bis 20 Minuten lang. Ich frage mich, wie viele Fehler ich in der Zwischenzeit wohl gemacht habe und beruhige mich mit dem Gedanken, dass es so schlimm ja nicht gewesen sein kann, sonst hätte sie ja doch irgendwann mal aufgelegt, oder nicht?!

Weitere Hürden folgen in Kürze… Ja ich hab euch ja gesagt, es gab VIELE Hürden 😉

Das Abenteuer Führerschein

Hier könnt ihr meine Erlebnisse und Eindrücke als Fahrschüler in Dänemark nachlesen. All das, was ich euch in den letzten Wochen und Monaten verschwiegen, ja geradezu verheimlicht habe. Sollte es dieser Artikel wirklich schaffen, veröffentlicht zu werden, dann dürft ihr mir gratulieren, denn dann habe ich den Führerschein in der Tasche! Ich werde zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits alle angerufen, angeschrieben oder sonst irgendwie auf diesen phänomenalen Triumph aufmerksam gemacht haben aber meine Erlebnisse bis dahin halte ich nun für euch fest. Denn zwischen diesem wünschenswerten und von mir sehr herbeigesehnten Moment, an dem ich euch allen die frohe Botschaft von meinem heimlichen Führerscheinerwerb verkünden darf, liegen noch so einige Hürden.

Hürde Nummer 1: Der Entschluss

Das wahrscheinlich schwierigste liegt jetzt hinter mir. Ich habe mich entschieden, jetzt soll es so weit sein. Ich will auch endlich einen Führerschein! Also schnell mal im Internet nach einer geeigneten Fahrschule gesucht und fündig geworden: Tønder Trafikskole. Kenne ich nicht das Logo, das auf der Website prangt? Ja richtig, auf dem Weg zu Blika bin ich schon etliche Male daran vorbeigeradelt. Also gut, wie geht das denn hier in Dänemark? Der erste Unterschied: Man kann nicht zu jedem Zeitpunkt einsteigen und anfangen wann man will. Es heisst also warten bis die nächste Runde Theorieunterricht startet. Næste holdstart: 20. august. Okay. Online angemeldet (in Dänemark geht ja bekanntlich alles online) und was braucht man sonst noch so? Also eine Kopie meiner Krankenversichertenkarte, check, kein Problem. Eine Kopie von meiner Aufenthaltsgenehmigung, check? Ich habe nur einen Regestrierungsbeweis aber ich nehme an, dass das gemeint ist. Ein Passfoto, check, habe ich noch von meinem letzten Personalausweis. Bescheinigung über einen absolvierten Erste Hilfe Kurs, autsch, da muss ich wohl durch. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung aber was soll’s. Also auch dafür wieder das Internet durchstöbert und natürlich gleich online angemeldet. Am 21.8. geht’s los, zweimal muss man erscheinen, dann hat man auch diese Hürde hinter sich gebracht. Und was steht dort als letztes? Ein ärztliches Attest… im Ernst!?

Hürde Nummer 2: Das ärztliche Attest

Ich schob es vor mir her. Und ich war mir dessen bewusst. Doch endlich endlich machte ich einen Termin bei meiner Ärztin, natürlich online. Das Passfoto musste ich mitbringen und so saß ich ungeduldig und ohne zu wissen, was für eine Art „Untersuchung“ mich erwartete im Wartezimmer. Als ich endlich dran war musste ich zu erst einen Fragebogen über meinen gesundheitlichen Werdegang ausfüllen. Hinterher der Ärztin fast genau die gleichen Fragen nochmal mündlich beantworten, sie gab die Antworten dann in ihren Computer ein. Einen Sehtest hatte ich ja erwartet und der wurde dann auch ordnungsgemäß durchgeführt. Danach musste ich noch Zahlen wiederholen, die die Ärztin mir vom anderen Ende des Raumes nannte, um mein Gehör zu testen und vormachen, dass ich in der Lage war einen Schulterblick in beide Richtungen auszuführen. Zum Schluss wurde mein Bild mit einem Stempel versehen. Damit wurde bestätigt, dass ich auch wirklich ich war und nicht meine Freundin zur Untersuchung geschickt hatte. Zu guter Letzt wurde das Foto mitsamt „motorattest“ in einen Umschlag gesteckt, den ich ungeöffnet bei meiner Fahrschule abgeben musste. So einfach. So kurz. Und trotzdem etwas merkwürdig. Einfach zum Schmunzeln.

Hürde Nummer 3: Das erste Mal

Die erste Theoriestunde stand an. Ich war natürlich mächtig aufgeregt. Hoffentlich spricht die Fahrlehrerin schön deutlich und kein unverständliches Gemurmel. Hoffentlich bin ich nicht die einzige über 18 Jahren im Raum, die Fahrlehrerin ausgenommen. Eine kleine Gruppe Fahrschüler versammelte sich. Und ich stellte erleichtert fest, meine beiden größten Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Ich konnte die Fahrlehrerin Annelise gut verstehen und war auch sicher nicht die einzige über 18 Jahre im Raum. Und noch dazu war ich nichtmal die einzige Ausländerin im Raum. Wunderbar. Nach den Formalitäten, begann der Unterricht mit Lektionen über die Technik des Autos und die Fahrtüchtigkeit des Autos sowie der dazugehörigen Gesetzgebung. Selbst Annelise findet diese Lektion langweilig und verspricht uns für die Zukunft spannendere Theoriestunden. Ich bin froh, von allem in Deutschland schon mal etwas gehört zu haben und kann so dem Unterricht ohne Probleme folgen. Beim abschliessenden Test, habe ich sogar das beste Ergebnis von allen und sitze mit meinen 3 Fehlerpunkten lächelnd in dem kleinen Raum. So weit so gut, doch dann kommt der Schock. Eure erste Fahrstunde ist übermorgen! Treffpunkt Tankstelle am Kongevej 7:45 Uhr. Oh oh. Es wird Ernst.

Hürde Nummer 4: Der Übungsplatz und der kleine weiße Suzuki

Die dänische Fahrausbildung sieht vor, dass man immer eine Theoriestunde hat und anschließend diese Theorie in die Praxis umsetzt. Sprich, wenn man am Montag etwas über Anfahren und Bremsen lernt, dann soll man das bei der nächsten Fahrstunde auch gleich mal vorführen. Die erste Fahrstunde wird auf einem Übungsplatz abgehalten. Immer drei Fahrschüler fahren gleichzeitig und zwar ganz allein. Meine Fahrlehrerin dazu:“ Genießt es, allein im Auto zu sitzen, denn das ist bis zu eurer Fahrprüfung das letzte Mal, dass ihr alleine fahren dürft.“ Ich stehe also pünktlich um 7:45 am Mittwochmorgen an der verabredeten Stelle und bekämpfe das mulmig-aufgeregte Gefühl. Wir fahren zum Übungsplatz und müssen zuerst eine Runde mit den Fahrlehrer fahren. Die Fahrschule hat drei Fahrlehrer und dieses Mal ist Preben mit uns unterwegs. Er spricht leider nicht ganz so herrlich „Hochdänisch“ wie Annelise aber er merkt schnell, dass ich ihn nicht so gut verstehen kann und passt sich mir an. Er zeigt uns alle Übungen, die wir auf dem Rundkurs absolvieren müssen. Offiziell heißt diese Einheit „Manöver“. Und schon teilen wir drei Fahrschüler uns auf die drei kleinen Suzukis auf. Meiner ist weiß, die meiner „Kollegen“ sind blau und rot. Über das Radio hören wir die Anweisungen, die der Fahrlehrer uns gibt. Und er sagt ganz einfach nur „Du kannst jetzt losfahren“. Hm… Wie war das noch? Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und schon gehts ganz langsam los. Zum Glück habe ich das schonmal gemacht. In großem Sicherheitsabstand bewegen wir und um die Übungsbahn. Anhalten, losfahren, Kurve fahren. Alles kein Problem. Erstmal an die Geschwindigkeit gewöhnen und ans Schalten denken. Mehr nicht. Kein Verkehr, nichts auf das man achten muss. Ich bin jetzt schon begeistert von der Idee, die erste Fahrstunde auf dem Übungsplatz abzuhalten. In aller Ruhe spiele ich mit Kupplung, Gas und Bremse ohne Angst etwas falsch zu machen, denn mein Fahrlehrer sitzt ja da hinten in seinem Kabuff und sieht mein Auto nur von außen. Er scheint aber mit dem, was er sieht ganz zufrieden, denn bald gibt er uns neue Aufgaben. Wir müssen zwischen zwei beweglichen und gepolsterten Stangen hin und her fahren, also wechseln wir vom Vorwärts – ind den Rückwärtsgang und wieder zurück. Wir sollen jeweils die Stangen berühren, sie sollen jedoch nicht vollkommen unter dem Auto verschwinden. Im Slalom um ein paar Hütchen fahren. Ok, auch nicht so schwer. Dann geht’s aber doch ans Eingemachte. Am Berg (ja es gibt einen kleinen Übungshügel) anfahren und zwar anders als ich es in Deutschland gelernt habe, ohne Handbremse. Und auch das Lenken wird hier anders gelehrt. Arme kreuzen erwünscht und nicht wie bei der deutschen Fahrausbildung verpöhnt. Im Gegenteil Preben nennt die in Deutschland bevorzugte Variante „Großelternsteuerung“. Zurück zum Thema Anfahren am Berg. Es klappt ganz gut, doch ab und zu säuft mir mein kleiner Flitzer ab. Und endlich, endlich nach ein paar Versuchen habe ich verstanden, was man tun muss, wenn einem das Auto absäuft. In Deutschland habe ich das in all meinen Fahrstunden nicht gelernt und bin wegen Verunsicherung beim Neustart des Autos durch die Fahrprüfung gefallen… So die nächste Aufgabe lautet: Rechtskurven um ein Viereck fahren, danach Rückwärts um die Kurve fahren. Dann wird der Schwierigkeitsgrad wieder erhöht und wir fahren den Slalom von vorhin im Rückwärtsgang. Klappt erstaunlich gut, allerdings nur, solange man den ersten Pylon richtig erwischt, ist das nicht der Fall, ist man hoffnungslos verloren. Aber ich meistere auch diese Aufgabe ganz gut, obwohl es in diesem Moment wolkenbruchartig anfängt zu regnen. Zum Glück weiß ich, wo der Scheibenwischer angeht. Alle Aufgaben sind übrigens so lange zu wiederholen, bis sie einigermaßen Fehlerfrei ausgeführt werden. Es folgen Parkmanöver vorwärts, rückwärts, seitwärts, wobei mir vorwärts die größten Probleme bereitet. Das Parallelparken, für das ich ebenfalls in Deutschland durch eine Fahrprüfung gefallen bin, funktioniert am besten. Auch die Drei-Punkte-Wende und ein klassicher U-Turn werden geübt. Zum Schluss noch das Anhalten aus höheren Gängen und ein paar Vollbremsungen und schon sind mehr als 3 Stunden vergangen. Mit etwas steifen Beinen steige ich aus dem kleinen Auto aus, das mit so gute Dienste geleistet hat und freue mich schon auf den Muskelkater am nächsten Tag. Meine nächste Fahrstunde findet dann auch richtig auf der Straße statt und außerdem in einem klimatisierten Golf, worüber ich nach dieser schweißtreibenden Fahrt auch ganz glücklich bin.

Weitere Hürden folgen….

Wortwörtlich

Ich mag die dänische Sprache. Ich mag sie sehr. Hier kommt eine Sammlung einiger Wörter, die wortwörtlich übersetzt den Charme dieser Sprache aufs allerbeste verdeutlichen. Wer weiß, was alle diese Wörter bedeuten?!

Lyskryds – Lichtkreuz, Gågade – Gehstraße, Forår – Vorjahr, Efterår – Nachjahr, Elefantsnot – Elefantenschnodder (kein Witz!), bedstefar – Bester Vater, bedstemor – Beste Mutter, målmand – Tormann, formel-et-løb – Formel-1-Lauf, flyvemaskine – Flugmaschine, sovepose – Schlaftüte, sugerør – Saugrohr, fodgængerfelt – Fußgängerfelt, grøntsager – grüne Sachen, sodavand – Sodawasser, hvidløg – weiße Zwiebel, hovedtelefoner – Kopftelefone.

Viel Spaß beim Raten!

Ich habe es getan

Ja, ich bin schuldig… Ich bin absolut schuldig. Ich muss es eingestehen. Aber zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass ich auf jeden Fall die letzte bin, die dem Gruppenzwang nachgegeben hat. Ich habe mich tapfer dagegen gewehrt, doch was soll man machen, wenn man hier in Tondern wohnt? Es gehört quasi zum guten Ton. Die ganze Stadt rühmt sich damit und naja alle skal være med. So ist das ja immer in Dänemark. Entweder alle oder keiner, nicht wahr? Darüber könnte man glatt auch mal einen Artikel schreiben aber hier geht es ja um etwas ganz anderes. Ja, wie soll ich es sagen. Man übernimmt eben, was man so sieht in den Straßen. Ich wollte nicht. Mein Gefühl hat mir gesagt, es ist noch viel zu früh dafür.  Und dann… naja dann habe ich es einfach gemacht. Heimlich still und leise. An einem Mittwoch. Da hat die Bücherei geschlossen und keiner konnte mich stören. Ich habe alle neuen Kinderbücher gepackt und aus ihrem angestammten Regal geschmissen. Ja und dann, dann habe ich sie hervorgekramt… Alle die Weihnachtsbücher…. Und ein bisschen dekoriert und „Leise rieselt der Schnee“ und „Morgen Kinder wird’s was geben“ vor mich hergesummt. Und jetzt kann Weihnachten kommen. Am 1. November. Grade noch rechtzeitig würde man in Tondern meinen, denn am zweiten Samstag im November wird ja hier bereits der Weihnachtsmarkt eröffnet! Man wohnt ja in Danmarks juleby nummer 1! Da kann man sich nicht lumpen lassen. Die Gehstraße  aka Fußgängerzone, aber was ist denn das überhaupt für ein sperriges Wort, ist bereits seit zwei Wochen mit tannengrünen Girlanden und Lichterketten geschmückt. Das Weihnachtsmarktbanner hängt schon seit September. Und nun habe auch ich (besser gesagt, die Bücherei) mich dem Druck gebeugt und präsentiere freudestrahlend meine Weihnachtsdeko. Hier ist sie also und hat mir bereits am ersten Tag viele viele Ausleihen eingebracht. Na wenn das so weiter geht, sind die Regale bald wieder leer und ich kann die neuen Kinderbücher wieder an ihren Platz stellen. In diesem Sinne: eine besinnliche Vor-Adventszeit euch allen!