Feierabend

Egal wo auf der Welt man sich befindet, ein Ausritt ist einfach das Schönste, was man nach Feierabend machen kann. Erst recht, wenn die Sonne scheint, der Wind leicht salzige Luft vom Meer herüber weht und man den Frühling förmlich spüren kann. Einfach nur schön 🙂

Ganz einfach halt oder? Nem nemlig.

Beim Einrichten meines Kontos bei der Sparkasse ist sie mir zum ersten Mal begegnet. Die NemID. Zu Deutsch: EinfachID. Die braucht man, um sich beim Online-Banking einzuloggen. So weit so gut. Ganz einfach halt. Die Bankangestellte erklärt: „Du bekommst einen Brief mit einem vorübergehenden Passwort. Und dann bekommst du einen anderen Brief mit deiner Nøglekort (so etwas wie eine TAN-Liste) und dann bekommst du noch einen Brief mit…“ Naja ihr wisst schon: ganz einfach halt.

Einige Tage später trudeln alle angekündigten Briefe bei mir ein. Super, dann kann ich ja jetzt schnell mal meine Miete überweisen. Schließlich wartet mein Vermieter darauf schon seit fast zwei Monaten. Also rein ins Internet und die Seite meiner Bank aufgerufen. Benutzername eingeben, vorläufiges Passwort eingeben und schon kann’s losgehen… Oder auch nicht. Ein Pop-up-Fenster öffnet sich und ich werde darauf hingewiesen, dass ich mich zum ersten Mal eingeloggt habe. Wusste ich ja auch noch nicht. Als nächstes wird abgefragt, ob ich meine NemID denn auch für andere Dienste nutzen möchte? Andere Dienste? Nein denke ich und lehne ab. Ein Fehler, denn ich habe zu diesem Zeitpunkt den Sinn und Zweck des NemID-Systems noch nicht durchschaut. Zu einem späteren Zeitpunkt bekomme ich erneut einen Brief. Eine Auffordernug der K0mmune eine eBoks einzurichten. Das spart Papier und erleichtert die Kommunikation. Achso. Man ist ja gerne kooperativ, also Internetseite aufgerufen und angefangen. Einloggen mit den gleichen Daten wie beim Online-Banking? Sicher? Naja, mal sehen, was passiert. Und wieder werde ich gebeten meine Zustimmung zu geben, die NemID für öffentliche Dienste einzurichten. Ohne Zustimmung, keine eBoks. Also zugestimmt. Und jetzt erschließt sich mir das ganze Ausmaß des NemID-Systems. Mit Hilfe dieses Log-Ins kann man sich nämlich nicht nur beim Online-Banking anmelden, nein man findet das selbe Anmeldefenster auch auf den Internetseiten des Finanzamts, der Kommune, der öffentlichen Bibliotheken und auf der nationalen Gesundheitsseite sundhed.dk. Einmal eingeloggt, kann man zwischen diesen Seiten wechseln und findet überall sämtliche Aufzeichnungen über sich selbst. Eine Art digitale Akte, wenn man so will. Auf sundhed.dk kann ich zum Beispiel nachlesen, wann ich welche Medikamente von meinem Arzt bekommen habe und auf skat.dk kann ich Einblick in meine Steuerkarte nehmen und sehen, dass meine Firma sich diese heruntergeladen hat. Wahrscheinlich kenne ich bis heute nicht alle Seiten auf denen man sich mittels seiner Nem-ID einloggen kann. Ganz einfach.

Also gar nichts faul im Staate Dänemark? Nun ja darüber bin ich mir mit mir selbst noch nicht so ganz einig. Doch sobald ich mir hierüber eine ausführliche Meinung gebildet habe, erfahrt ihr es als erstes! So einfach ist das nämlich. Nem nemlig.

Und die Probleme beginnen…

… genau hier!

Am Tag meiner Ankunft in Dänemark hatte ich mir viele bedrohliche Szenarien darüber ausgemalt, was alles schief gehen könnte und welche Hindernisse ich wohl in den nächsten Wochen überwinden musste. Doch es kam wie immer anders als erwartet.

Plötzlich werden die größten Herausforderungen zur einfachen Geduldsprobe, auf die man sowieso keinen Einfluss hat. Abwarten und (Kräuter)tee trinken hieß die Devise in den ersten Wochen in Dänemark. Doch das ist eigentlich noch ein ganzes Kapitel für sich.

Warum also nun dieses, wie ich zugeben muss, nicht ganz so hübsche Foto meiner Mülleimersammlung? Nun ja ganz einfach, am Tag meiner Ankunft war dies mein erstes und eigentlich auch einziges Problem. Mein ganzes Leben habe ich quasi damit verbracht zu lernen, wie man in Deutschland Müll zu trennen hat. Von einem Tag auf den Anderen gehörte jedoch Plastik nicht mehr zu Plastik und was ist eigentlich aus dem guten alten Restmüll geworden? Biomüll? Gelber Sack? Fehlanzeige! Nach einigen Tagen der kompletten Verwirrung und Orientierungslosigkeit ob dieser Trennung von jahrzehntelang eingeübten Regeln, habe ich es dennoch tatsächlich geschafft mich dem dänischen System anzupassen und trenne nun brav dagrenovation von Papier, Plastikflaschen, Dosen und Glas. Und so wurde letztendlich diese alltägliche Hürde des Auswanderns gemeistert, die nur stellvertretend steht für viele kleine Hürden, die einem jeden Auswanderer meist unerwartet bevorstehen.